Stefan Zweig

Brief einer Unbekannten Drei Leben Brennendes Geheimnis Schachnovelle Angst

Die Liebe, ein Abgrund

Stefan Zweigs Novellen im Film
1. - 13. August 2010 im Salzburger Filmkulturzentrum DAS KINO


Stefan Zweig: Österreicher und Jude, Europäer und Pazifist, empfindsamer Mensch und wachsamer Geist. Schon zu Lebzeiten zählte der vielseitige Schriftsteller zu den meistgelesenen Autoren seiner Zeit - und bis heute gehören seine Werke zum Kanon der Literatur. Immer einem humanistischen Grundgedanken verpflichtet, zieht sich eine besondere Liebe zu den Menschen wie ein roter Faden durch das Schreiben Stefan Zweigs.
Mit großer Hingabe engagierte er sich zeitlebens für den europäischen Dialog von Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft.

Mit Salzburg verband den Schriftsteller für viele Jahre der Wohn- und Aufenthaltsort, unterbrochen allerdings immer wieder durch seine unermüdliche Reisetätigkeit, die ihn etwa nach Italien, Spanien, in die Schweiz oder die Sowjetunion führte. Von 1919 bis 1934 hatte Zweig seinen festen Wohnsitz im Paschinger-Schlössl am Kapuzinerberg 5, das er gemeinsam mit Ehefrau Friderike zur „Villa in Europa" machte, in die er zahlreiche internationale Gäste einlud. H.G. Wells, James Joyce, Franz Werfel oder Thomas Mann gingen bei ihm ein und aus. Stefan Zweig schätzte an der Kleinstadt die Ruhe der Provinz ebenso wie ihre günstige geografische Ausgangslage für seine zahlreichen Studien- und Vortragsreisen. Hier entstanden viele seiner bekanntesten und erfolgreichsten Werke. 1934, ein Jahr nachdem auch seine Bücher im antisemitischen NS-Deutschland verbrannt worden waren und im Jahr des bürgerkriegsähnlichen Staatsterrors in Österreich, verließ Stefan Zweig Salzburg nach einer politisch motivierten Hausdurchsuchung. Recht spät besann sich die Stadt Salzburg selbst auf ihren einstigen, berühmten Bewohner und setzte ihm in den 1980er Jahren mit einer Bronze-Büste vor dem Kapuzinerkloster ein Denkmal.

Aus Anlass der diesjährigen Festspielproduktion „Angst" nach der Novelle von Stefan Zweig (Termine & Information unter www.salzburgfestival.at), in Zusammenarbeit mit dem Stefan Zweig Centre Salzburg und den Salzburger Festspielen, zeigt DAS KINO mehrere Verfilmungen von Werken des Schriftstellers. Gemeinsam ist ihnen der psychologisierende Blick auf tiefere menschliche Schichten und auf die Schattseiten und Abgründe von Liebe: Eine verbotene und eine zurückgewiesene Liebe erfährt Edgar in BRENNENDES GEHEIMNIS, als ausweglos stellt sich die Liebesaffäre der Irene Wagner in ANGST dar, unerfüllt und verzweifelt bleibt die Liebe Lisas in BRIEF EINER UNBEKANNTEN. Und im Film SCHACHNOVELLE, der zugleich erschütterndes Zeugnis von Zweigs Gegenwart ablegt, hegt Dr. Basil schließlich eine krankhafte Hassliebe zum Schach. Abgerundet wird die Filmreihe durch die Spielfilmdoku DREI LEBEN. FRIDERIKE, LOTTE & STEFAN ZWEIG, die die turbulenten letzten zehn Jahre des Schriftstellers thematisiert.

Tina Kubek

DAS KINO


Stefan Zweig, Filmemacher

„Ich halte eigentlich nur jene Novellen und Romane für gut, die soviel
sichtliche Geschehnissubstanz haben, dass sie sich verfilmen lassen."
Stefan Zweig


Es waren nicht die schlechtesten Regisseure, die sich um die Verfilmungen von Stefan Zweigs Novellen verdient gemacht und so zur weltweiten Popularisierung der Werke des österreichischen Schriftstellers beigetragen haben: Roberto Rosselini, Max Ophüls, Berthold Viertel und viele andere haben Filme nach Zweigs Erzählungen und Biographien gedreht. Wenn auch bisweilen in sehr freier Bearbeitung. Prominente Darstellerinnen wie Asta Nielsen, Ingrid Bergmann, Faye Dunaway, Isabelle Huppert und ihre männlichen Kollegen wie Curd Jürgens, Michel Piccoli, Joachim Bißmeier oder Klaus Maria Brandauer und viele andere haben darin Hauptrollen übernommen und sorgen somit für das Interesse auch des heutigen Publikums.
Stefan Zweig, der mit Gedichten, Prosa, Dramen, Essays, Romanen - ja sogar mit Libretti für Oper und Ballett! - alle Genres der Literatur gemeistert hatte, interessierte sich auch für den Film. Es gibt Filmskizzen Zweigs zu einem „Panama"-Film (geschildert wird der heroische Kampf um den Durchbruch des Kanals - im Kontrast zum Börsenkrach in Paris, bei dem die Panama-Kleinaktionäre betrogen werden), einen Entwurf zu einem Liebes-Sozialmelodrama „Sonnenfinsternis". Gemeinsam mit dem Schriftsteller Robert Neumann schrieb Zweig an einem Filmdrehbuch nach dem Abbé-Prévost Roman „Manon Lescaut", mit Berthold Viertel arbeitete er an einer Verfilmung seines unvollendeten Romans „Rausch der Verwandlung" (den Viertel 1951 auch unter dem Titel „Das gestohlene Jahr" realisieren konnte) und mit Joseph Leftwich diskutierte er ein Filmprojekt über Theodor Herzl.
Vielen Dank an das Team von „Das Kino", das schon 1992 in Salzburg ein exzellentes Stefan-Zweig-Filmfestival organisiert hatte, und nun einige der besten Zweig-Verfilmungen wieder ins Programm nimmt.

Klemens Renoldner
Direktor des Stefan Zweig Centre Salzburg

 

 

 

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