Die Liebe, ein Abgrund
Stefan Zweigs Novellen im Film
1. - 13. August 2010 im Salzburger Filmkulturzentrum DAS KINO
Eine Filmreihe in Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen und dem Stefan Zweig Centre Salzburg
Organisation: Renate Wurm Das Kino
Dramatischer als die meisten seiner Stücke wirken heute Stefan Zweigs Novellen. Es mag an Zweigs ihm tief innewohnender Neigung zur Konzilianz, zur Eleganz, an seinem intellektuellen Pazifismus oder schlicht am Drang zum Erfolg liegen, dass seine Theaterstücke sich meist in der Geste einer Ermahnung zum Positiven auflösen. Sie wirken auf uns heute unweigerlich ein wenig zu liebenswürdig, da sich der Dramatiker dem inneren Humanisten unterwarf. In seinen Novellen aber ließ Stefan Zweig der Dämonie in seinem Schreiben erschreckend freien Lauf. Sie wurden zur Vorlage einer Reihe von bedeutenden Verfilmungen und führen noch immer auf die Nachtseite der bürgerlichen Gesellschaft - dorthin, von wo nur das Licht großer Filme dringt.
Thomas Oberender
Salzburger Festspiele
Vorwort Stefan Zweig
„...die Zeit liefert die Bilder, ich füge nur die Worte bei"
Stefan Zweig
Stefan Zweig zählt noch heute zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren, gehört noch immer auf allen Kontinenten zu den populärsten Schriftstellern. In Salzburg verbrachte er 15 Jahre im Schlössl am Kapuzinerberg, das er zur ›Villa Europa‹ machte. Hier konnte er in Ruhe schreiben und seine Kultur der Freundschaft pflegen. Es besuchten ihn die wichtigsten europäischen Intellektuellen und Musiker seiner Zeit wie James Joyce, Franz Werfel, Thomas Mann, Richard Strauss oder Alban Berg. In dieser Zeit entstanden auch die Werke, die seinen Weltruhm begründeten und ›Europa‹ war für Stefan Zweig das zentrale Thema seines Lebens. Als Jude seit 1933 zunehmend angefeindet, entschloss er sich, nach einer Hausdurchsuchung im Jahr 1934 Salzburg für immer zu verlassen.
Über 20 Werke von Stefan Zweig wurden verfilmt, einige sogar mehrfach, von namhaften Regisseuren wie Max Ophüls, Gerd Oswald oder Roberto Rossellini. Dies überrascht nicht, denn viele seiner Geschichten sind so bildhaft beschrieben als wären sie fürs Kino gedacht. Er verstand es meisterlich, die verborgenen Leidenschaften seiner Figuren, ihre Schattseiten sowie ihre psychologischen Motive subtil und spannungsreich zu erzählen.
Die Abgründe der Liebe ziehen sich wie ein roter Faden durch die Verfilmungen der gezeigten Werke. Im Mittelpunkt der Reihe stehen die sehr unterschiedlichen Filmversionen von ANGST, eine mit Ingrid Bergmann des italienischen Meisterregisseurs Roberto Rossellini und die kaum bekannte französische von Daniel Vigne. Mit Klaus Maria Brandauer, Curd Jürgens, Mario Adorf oder Ingrid Bergmann präsentieren wir nicht nur berühmte Schauspieler, sondern auch Werke, die bereits Filmgeschichte geschrieben haben.
Aus Anlass der diesjährigen Festspielproduktion ›Angst‹ entstand in Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen und dem Stefan Zweig Centre Salzburg die Idee zu dieser Filmreihe, die mit einem Portrait von Stefan Zweig eröffnet wird, das die turbulenten letzten zehn Jahre des Schriftstellers thematisiert.
Renate Wurm
DAS KINO
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