EIN ABEND FüR FLORIAN FLICKER

120 Min., Fassung auf Deutsch

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RETROSPEKTIVE für FLORIAN FLICKER

(*21. August 1965 in Salzburg, † 23. August 2014 in Wien)

Wir widmen im September eine Retrospektive dem viel zu früh verstorbenen, in Salzburg geborenen Autor und Regisseur Florian Flicker, der seine Filme immer gerne bei uns im DAS KINO präsentiert hat und uns immer ein liebenswerter, sympathischer und in den Gesprächen nach den Filmen offenherziger Gast war.

Am Beginn steht EIN ABEND FÜR FLORIAN: Ein Abend zur Erinnerung an Florian Flicker mit Bildern, frühen Kurzfilmen, Ausschnitten von Dreharbeiten, Lesung von Texten, Auszüge aus Stücken, Erinnerungen von Freunden, Freundinnen, Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen sowie Musik, die Andi Haller, Komponist der Filmmusik von HALBE WELT, beisteuern wird. Teilnehmen und gestaltet wird dieser Abend von: Walter Anichhofer, Christian Sattlecker, Michael Bilic, Thomas Gaube, Andi Haller, Thomas Renoldner und vielen anderen.
Besonderen Dank möchte ich aussprechen an Florians Mutter Katharina Rueprecht, seine Schwester Eva Flicker und Florians Lebensgefährtin Nora Breitenecker.

Florian Flicker
, 1965 in Salzburg geboren, war einer der talentiertesten Regisseure des Neuen Österreichischen Films. Er drehte zunächst als Autodidakt kurze Arbeiten auf Super-8, die Titel trugen wie COLORS, FARBEN, LANDSCAPE, LEBENSLAUF. Er war in Salzburg, Hamburg und ab Ende der 80er Jahre in Wien Mitglied von Kollektiven, die das sogenannte ›Expanded Cinema‹ betrieben, Unternehmungen, bei denen sie Räume mit Bildern, Sounds und Musik bespielten.Florian Flicker agierte stets mit Bedacht und Genauigkeit. Eine seiner Stärken war die Führung von Schauspielern und die Gabe, menschliche Beziehungen und Begegnungen minutiös darzustellen. Als ein Meisterwerk dafür kann der Film DER ÜBERFALL gelten mit Josef Hader, Roland Düringer, Birgit Doll und Burgschauspieler Joachim Bißmeier (eben zu sehen gewesen in Samuel Becketts ›Endspiel‹ bei den Salzburger Festspielen) in den Hauptrollen.

Seine Kinofilm-Karriere startete Flicker mit seinem vor Ideen nur so sprühenden ersten Langfilm, der von einer in einer unbestimmten Zukunft angesiedelten Welt erzählt, in der Sonne mit zerstörerischer Kraft alles Leben kostet, das sich ihr aussetzt, und in der sich der Alltag der Menschen nunmehr in den Mondstunden abspielen muss. Die Musik stammt von Andi Haller, der Ende September seinen Film ZERO CRASH präsentieren wird. Viele seiner damaligen Schauspieler machen Karriere: Maria Schrader, Dani Levy, Rainer Egger, Karl Markovics.

Daneben war Flicker aber auch Dokumentarfilmer und am Theater tätig - er inszenierte am Wiener Schauspielhaus -, schrieb Hörspiele und lehrte unter anderem an der Wiener Filmakademie. 1996 entsteht in Co-Regie mit Wolfgang Murnberger das Portrait ATTWENGERFILM. Bereits sein nächster Film wird ein internationaler Erfolg: SUZIE WASHINGTON (1997) mit Birgit Doll, Nina Proll, August Zirner und Andreas Lust in Hauptrollen. Das Thema könnte nicht aktueller sein: Eine Ausländerin auf der Flucht durch Österreich.

Im Jahr 2000 entsteht dann sein größter Kinoerfolg DER ÜBERFALL, vielleicht sein Meisterwerk, was die Führung der Schauspieler, die Darstellung menschlicher Beziehungen in einer Ausnahmesituation betrifft. Ein Großteil des Films spielt in nur einem Zimmer. Florian Flicker hat seinen Film damals so beschreiben: ›Je länger der Nachmittag dauert, umso instinktiver, umso irrationaler handeln die drei, in brutalen wie in liebevollen Momenten. Jeder von ihnen ist in seiner Hilflosigkeit und Sturheit eine Tragödie in sich.

Flicker ist eine fixe Größe im heimischen Filmschaffen geworden, das seit dem Erfolg von Barbara Alberts NORDRAND (1999) in Venedig als ›neues österreichisches Filmwunder‹ tituliert wurde. Umso schwerer hat es Florian Flicker getroffen, dass - nach den Erfolgen seiner beiden Spielfilme SUZIE WASHINGTON und DER ÜBERFALL zehn Jahre lang all seine Filmprojekte abgelehnt wurden.

2006 kann er den Dokumentarfilm NO NAME CITY realisieren, mit dem im gleichen Jahr das Österreichische Diagonale-Filmfestival in Graz eröffnet wird. Es ist das liebevolle Porträt einer schillernden Gemeinschaft unterschiedlichster Menschen des ›Western-Erlebnisparks‹ 30 Kilometer vor Wien, die versuchen ihre eigene Freiheit zu leben.

2012 entsteht sein letzter Spielfilm GRENZGÄNGER. Wieder wirft Florian Flicker einen minutiösen Blick auf menschliche Beziehungen.Eine dramatische Liebesgeschichte, in der sich zwei Männer und eine Frau in einem gegenseitigen Versteckspiel zwischen Liebe, Leidenschaft und Verbrechen verstricken. Zwei weitere Projekte: einen komödiantischen und einen politischen Film hatte Flicker bereits in Planung.

Er hatte um seine Krankheit gewusst. Viel zu früh, mit 49 Jahren, wurde Florian Flicker durch einen Gehirntumor im August 2014 aus dem Leben gerissen.



Florian Flicker Werk:

Theater:

2008: Die Strudlhofstiege, Folge 8 (Regie & Text), Schauspielhaus Wien.
2008: Juli (Regie), Schauspielhaus Wien.
Radio:
2011: Dolphins. Hörspiel (Autor, mit Wolfgang Stahl; Regie: A. Schuhmacher) NDR
Bücher:
Suzie Washington. Drehbuch und Notizen zum Film, 1999
Der Überfall. Drehbuch und Interviews. 2000
Auszeichnungen (Auszug):
1998: Österreichischer Förderungspreis für Filmkunst
2002: Kulturpreis des Landes Oberösterreich
Halbe Welt
1994: Spezialpreis der Jury für den besten Erstlingsfilm des Fantastica Film Festivals in Géradmer
(Jury: Terry Gilliam, Walter Hill u.a.)
1994: Coup de Coeur des Festival du film d'action et d'aventure de Valenciennes
Suzie Washington
1995 Drehbuchpreis der Stadt Salzburg
1996 Carl Mayer Drehbuchpreis, Graz
1998: Großer Diagonale-Preis für den besten österreichischen Kinofilm
Der Überfall
2000: Großer Diagonale-Preis für den besten österreichischen Kinofilm
2001: Preis des Saarländischen Ministerpräsidenten des Filmfestivals Max Ophüls Preis in Saarbrücken
2001: 2. Preis „Bester Spielfilm" Festival Internacional de Cine de Las Palmas de Gran Canaria
Grenzgänger
2012: CICAE Art Cinema Award, Film Festival Sarajevo
2013: Österreichischer Filmpreis „Bestes Drehbuch"


 

Der Film lief zuletzt am 24.09.2016.

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