PASOLINI

Belgien/Frankreich/Italien 2014; Regie: Abel Ferrara; Drehbuch: Maurizio Braucci; Kamera: Stefano Faliveni; Schauspieler: Willem Dafoe, Riccardo Scamarico, Ninetto Davoli, Valerio Mastandrea, Adriana Asti u.a.; 87 Min., OF Englisch mit UT in Deutsch
FSK 6

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Pasolini ist eine Ausnahmeerscheinung des italienischen, ja europäischen Kinos. Kaum einer hat so eigenwillig seinen persönlichen und künstlerischen Weg als Autorenfilmer verfolgt wie Pier Paolo Pasolini. Fast jeder seiner Filme und Auftritte war von Skandalen begleitet. Pasolini war vielseitig: Journalist, Schriftsteller, Dichter, Filmemacher und politischer Aktivist. Ein in Bologna aufgenommenes Studium der Kunstgeschichte musste er wegen des Zweiten Weltkrieges aufgeben. Diese Studien sollten Pasolinis spätere Filmarbeiten nachhaltig beeinflussen. Sein Werk war vielschichtig und exzentrisch. Über Jahre hat er seinen Schauspielern die Treue gehalten. Seine Laufbahn beginnt er als Schriftsteller, entdeckt aber mehr und mehr den Film als Medium für seine poetischen und sozialkritischen Zielsetzungen. Er arbeitet mit an Drehbüchern für Luis Trenker oder Federico Fellini.

Pasolini fühlt sich hingezogen zum Milieu der römischen Vorstädte. Die Charaktere seiner ersten Filme sind häufig sozial ausgegrenzt und rebellisch. Mit Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß (1961) und Mamma Roma lieferte Pasolini eine bedeutsame filmische Umsetzung seiner Vorstadtstudien, die ihn international bekannt machten. Er, der politisch linksstehende, dreht aber Das 1. Evangelium – Matthäus (1964). Mit der außergewöhnlichen Sängerin Maria Callas entsteht Medea, berühmt sein Film Teorema – Geometrie der Liebe. Er befasst sich mit Mythen und Legenden des abendländischen, aber auch des arabischen Kulturraums, dreht im Iran, Jemen und in Nepal. Gänzlich zum Kultregisseur wird er mit seiner erotischen Trilogie: Decameron (1970), Pasolinis tolldreiste Geschichten (1972) & Erotische Geschichten aus 1001 Nacht (1974). Pasolini arbeitet oft mit Laiendarstellern, die den Filmen Glaubwürdigkeit und Vitalität verleihen.

Abel Ferrara beschäftigt sich in seinem sehenswerten Film mit dem letzten Tag im Leben des italienischen Dichters, Filmemachers und unbequemen Denkers. Neben der kongenialen Darstellung von Willem Dafoe als Pasolini gibt es auch eine Wiederbegegnung mit einem der großen Pasolini-Darsteller Ninetto Davoli: Rom, in der Nacht des 2. November 1975. Der große italienische Film-Poet Pier Paolo Pasolini wird ermordet. Das Symbol der Kunstbewegung, das gegen die Mächtigen kämpft, ist tot. Seine Werke waren skandalös, seine Filme wurden zensiert.

Viele Leute liebten ihn, viele Leute hassten ihn. Seine letzten Stunden verbrachte er mit seiner geliebten Mutter und seinen besten Freunden. Bis er in die Nacht ging, mit seinem Alfa Romeo auf der Suche nach einem (sexuellen) Abenteuer durch die Stadt fuhr und später an einem Strand in Ostia tot aufgefunden wurde. Eine Rekonstruktion, teilweise Realität, teilweise Traum, was in seinen letzten Stunden passierte.

Der Film lief zuletzt am 28.01.2016.

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