HABEMUS PAPAM

Frankreich/Italien 2011; Regie: Nanni Moretti; Drehbuch: Nanni Moretti; Kamera: Alessandro Pesci; Schauspieler: Michel Piccoli, Nanni Moretti, Margerita Buy, Jerzy Stuhr; Musik: Franco Piersanti; 110 Min., OF Italienisch mit UT in Deutsch
FSK 10

Gott und die Welt haben ihn erkoren. Aber seine innere Stimme sagt ihm, dass sie sich irren. Die Geschichte vom Papst, der nicht Papst sein will. Die Kirchenglocken läuten, weißer Rauch steigt in den Himmel und Abertausende auf dem Platz vor dem Petersdom harren in froher Erwartung. Doch Kardinal Melville ist panisch. Man hat ihn zum Papst gewählt. Was soll er bloß tun? Er kann sich der Welt nicht zeigen – und tut es auch nicht. Schon bald ist die ganze Welt in Sorge, während der Vatikan verzweifelt nach Lösungen sucht. Wie der Papst selbst auch, nur eben auf seine Art: Er büxt aus…
Mit einem großartig sanften Michel Piccoli, dessen Kardinal Melville ebenso viel Verletzlichkeit wie Würde ausstrahlt, zeigt Nanni Moretti (Liebes Tagebuch, Das Zimmer meines Sohnes) uns das Oberhaupt der katholischen Kirche von einer ganz und gar ungewohnten Seite: der menschlichen. Moretti hat sich bereits in seinem frühen Film LA MESSA È FINITA, 1985 mit der Kirche auseinandergesetzt. Ging es ihm damals um den Widerspruch zwischen selbstloser Liebe und Körperlichkeit, stellt er in HABEMUS PAPAM die Angst vor den Erwartungen anderer in den Mittelpunkt. Hier wirft er einen ironischen wie respektvollen Blick hinter die Kulissen des Vatikans. In einer Mischung aus Komödie und Drama erzählt er von den Stärken und Schwächen eines Mannes, der die ihm zugedachte Rolle infrage stellt, statt sich über seine neugewonnene Macht zu freuen. Dieses Thema hat viele überrascht, besonders der Vatikan sah skeptisch einem kirchenkritischen Film entgegen – aber das ist HABEMUS PAPAM nicht. Vielmehr geht es dem Regisseur um das Porträt eines leidenden und zweifelnden Pontifex, der den Gläubigen seine Fehlbarkeit in einer pathetischen Schluss-rede, die an Charlie Chaplins Ansprache in DER GROSSE DIKTATOR angelehnt ist, zu gestehen bereit ist. Der mittlerweile 85-jährige Michel Piccoli stattet diese Figur ›mit einer Nachdenklichkeit und Selbstreflexion aus, die man an Kardinälen und Päpsten abseits der Leinwand gerne häufiger bemerken würde‹ (programmkino.de). Neben Piccolis grandioser schauspielerischer Darbietung bietet HABEMUS PAPAM auch feine ironische Volten gegen die Psychoanalyse sowie ein paar sehr komische Beobachtungen zum medialen Wahnsinn.
›Mit seiner Satire auf die Papstwahl‹, urteilt die NZZ, ›hat Nanni Moretti ein Meisterwerk gedreht.‹

Der Film lief zuletzt am 15.04.2012.

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