MAMMUTH

Frankreich 2010; Regie: Benoît Delépine, Gustave de Kervern; Drehbuch: Benoît Delépine, Gustave de Kervern; Kamera: Hugues Poulain; Schauspieler: Gérard Depardieu, Yolande Moreau, Isabelle Adjani, Benoît Poelvoorde, Miss Ming u.a.;; Musik: Gaëtan Roussel; 92 Min., OF Französisch mit UT in Deutsch
FSK 12

Mammuth ist ein behäbiger, gutmütiger Riese, der eigentlich Serge heißt. In den letzten Jahren hat er im Schlachthof gearbeitet. Nun steht der Tag seiner Pensionierung an: Der Direktor hält ihm eine Rede vom Blatt, die Kollegen schenken ihm zum Abschied ein 2000-Teile-Puzzle. Zu Hause fällt Mammuth erst einmal die Decke auf den Kopf. Da kommt ihm die Forderung der Rentenbehörde gar nicht ungelegen, die dringend Nachweise über sein Arbeitsleben sehen will. Angesichts der knappen Haushaltskasse begibt er sich auf seinem alten Motorrad, einer Münch-Mammut aus den 70ern, die ihm auch zu seinem Spitznamen verhalf, auf eine Reise quer durch das Land. Er macht nicht nur ehemalige Arbeitgeber ausfindig, sondern trifft auch auf längst vergessene Menschen. Schmerzlich muss er aber erkennen, dass er von niemandem je wirklich ernst genommen worden ist. Nur seiner Nichte, einer jungen Künstlerin, gelingt es, sein angeknackstes Selbstbewusstsein wieder aufzubauen und ihm die Poesie des Lebens vor Augen zu führen. Mammuth beginnt, neue Seiten an sich zu entdecken - und er erinnert sich an seine erste große Liebe, Yasmine, die er einst bei einem Unfall verloren hat.
Es ist eine sentimentale Geschichte, die der Film erzählt. Das Schicksal der Pensionierung, stets herbeigesehnt und dann doch schwer umsetzbar, macht auch Mammuth zu schaffen. Seiner wundersame Reise in die eigene Vergangenheit ruft Erinnerungen wach, die mit viel Situationskomik, aber auch sehr nachdenklich präsentiert werden. Mit MAMMUTH ist den Regisseuren Benoît Delépine und Gustave de Kervern (die zuletzt die schwarze Komödie LOUISE HIRES A CONTRACT KILLER inszenierten) ein wunderbarer Roadtrip gelungen, angesiedelt in einem zum Teil geschmacklos treffend gezeichneten Arbeitermilieu. In der Rolle des Mammuth glänzt Gérard Depardieu, wie man ihn noch nie gesehen hat: Als gealterter, voluminöser Rentner mit Rockermähne bis zum Motorradsattel.
MAMMUTH war in diesem Jahr der Publikumsliebling auf der Berlinale und in Frankreich fuhr er einen Riesenerfolg in den Kinos ein. "Gérard Depardieu spielt so gut, wie er schon lange nicht mehr gespielt hat. Man möchte auf der Stelle ein Mammuth werden", schrieb die Süddeutsche Zeitung mit einem Augenzwinkern. Die Bernerzeitung urteilte schlicht: "Störrisch, spröde und unverschämt gut."

Der Film lief zuletzt am 23.11.2010.

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