INFERNO

INFERNO - L'ENFER D'HENRI-GEORGES CLOUZOT

2009; Regie: Serge Bromberg, Ruxandra Medrea; Drehbuch: Serge Bromberg; Kamera: Irina Lubtchansky, Jérôme Krumenacker; Schauspieler: Romy Schneider, Serge Reggiani, Dany Carrel, Jean-Claude Bercq, Bérénice Bejo, Jacques Gamblin u.a.; Musik: Bruno Alexiu; 94 Min.
Ohne Altersbeschränkung

Nackt an Eisenbahnschienen gefesselt räkelt sich Romy Schneider vor einem heranrasenden Zug; Lasziv raucht sie in die Kamera; Erotisch lachend lässt sie Champagner überlaufen. In keinem anderen Film gab die damals 26 Jahre alte Schauspielerin so viel von sich preis wie hier.
Nach nur drei Wochen Drehzeit im Jahr 1964 erlitt Regisseur Henri-Georges Clouzot einen Herzinfarkt, das Projekt blieb ein Fragment. Viele Jahre lang galten die damals bereits belichteten Filmrollen als verschollen. Um ihren Verbleib rankten sich mehr oder weniger originelle Mythen. Erst Serge Bromberg, einem passionierten Filmhistoriker und -jäger, gelang es, den unvollendeten Film wieder der Öffentlichkeit zugängig zu machen: Er suchte die Witwe des Regisseurs auf und konnte sie schließlich von einer Herausgabe des Filmmaterials überzeugen.
Damit hatte er einen Schatz von 15 Stunden Aufnahmen gehoben, aus dem er gemeinsam mit Ruxandra Medrea eine Collage schnitt, die nicht nur die großartigen Fragemente von damals zeigt, sondern auch die alptraumhaften Drehbedingungen eines megalomanischen Projektes erahnen lässt: L’ENFER (zu Deutsch: Hölle) sollte ein fieberhaft-obsessiver Eifersuchts-Thriller werden, in dem ein Mann sich seine Ehefrau als aufreizende Verführerin halluziniert, die ihn mit anderen Männern betrügt. Auch formal war der Film als Grenzen sprengendes Experiment geplant, die psychedelische Bildsprache zeugt von diesem Vorhaben. Regisseur Clouzot, bekannt geworden v.a. mit dem Film Noir LE SALAIRE DE LA PEUR/LOHN DER ANGST und dem Psychothriller LES DIABOLIQUES/DIE TEUFLISCHEN, geriet bei den Dreharbeiten zu L’ENFER selbst in einen Strudel von zwanghaften Obessionen und perfektionistischem Wahn und trieb die Darsteller bis zum Äußersten.
Um Interviews und Rekonstruktionen haben die Filmemacher von L’ENFER D’HENRI-GEORGES CLOUZOT das wiederentdeckte Material zu einer Dokumentation ausgebaut. So ist ihr außergewöhnliches Werk gleichzeitig der spekulative Versuch einer Vollendung wie auch ein Film über einen Film geworden. ›Das Ausgangsmaterial wird virtuos neu arrangiert‹, freute sich DER STANDARD.

Der Film lief zuletzt am 17.09.2010.

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