UDO PROKSCH - OUT OF CONTROL
OUT OF CONTROL
Österreich 2010; Regie: Robert Dornhelm; Drehbuch: Robert Dornhelm; Kamera: Andreas Hutter, Karl Kofler; Produzent: Dr. Wolfgang Ramml, Filmhaus Films; Musik: Harald Kloser; 87 Min., OF Deutsch
Der „Fall Lucona“ gilt als einer der größten Skandale, die die Zweite Österreichische Republik erschütterten. Über zehn Jahre lang hielt die Affäre rund um das im indischen Ozean versenkte Schiff Justiz und Politik in Atem. Ihr charismatischer Protagonist: Udo Proksch, gelernter Schweinehirt, gefeierter Designer, Waffennarr und Military-Freak, Meister der Maßlosigkeit, faszinierender Napoleon, Schwerenöter und Liebling vieler Frauen. Mit seiner lebenslänglichen Verurteilung wegen sechsfachen Mordes im Jahr 1990 fand eine der erstaunlichsten österreichischen Nachkriegskarrieren ihr Ende. Udo Proksch, der sich selbst für „überdurchschnittlich begabt“ hielt, war ein Mann mit vielen Gesichtern. 1934 in Mecklenburg geboren, besuchte er u.a. eine NS-Kaderschmiede in Bischofshofen, bevor er über ein paar Semester Kunststudium in Wien zum Brillendesigner avancierte. Legendär wurde der von ihm gegründete „Club 45“ im Wiener Cafe Demel, Seilschaft von Politikern und elitäre Schaltzentrale für Männer von Rang und Namen. Mit den Mächtigen umgab Proksch sich gerne. Ihnen diente er sich an, ohne dass sie bemerkten, wie sehr er sie an seinen Fäden zappeln ließ, während sie sich in seiner Gesellschaft amüsierten. Umschmeichelt, verlacht, verhasst. Als Udo Proksch 2001 an einer misslungenen Herztransplantation starb, hinterließ er ein umfangreiches Archiv an Dokumenten und Exponaten. Aus all diesen Puzzleteilen setzte Regisseur Robert Dornhelm die schillernde Biografie eines außergewöhnlichen Mannes zusammen und entwirft gleichzeitig ein Sittenbild der Zweiten Republik. Er interviewte ZeitzeugInnen und WegbegleiterInnen jenes ruhelosen Netzwerkes, der so viele Menschen in seinen Bann zu ziehen vermochte. Robert Dornhelm, international renommierter Regisseur und bekannt u.a. für seine Produktion ECHO PARK (1996) und die Opernverfilmung LA BOHÈME (2008), plante seit langem einen Film über Udo Proksch. Ihm geht es nicht um Sympathie oder Antipathie, sondern um einen präzisen und respektvollen Umgang mit einer widersprüchlichen Persönlichkeit, über die am Ende das Publikum sein Urteil fällen soll.
Der Film lief zuletzt am 06.06.2010.
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