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KAPITALISMUS: EINE LIEBESGESCHICHTECAPITALISM: A LOVE STORYUSA 2009; Regie: Michael Moore; Drehbuch: Michael Moore; Produzent: Kathleen Glynn, Michael Moore; 120 Min., OF Englisch mit UT in Deutsch
"Ich weigere mich, in einem Land wie diesem zu leben, und ich werde es nicht verlassen": So beschließt Amerikas populärster Volksanwalt, Michael Moore, gewohnt kämpferisch seine neueste dokumentarische Bestandsaufnahme. Zuvor wird der Zuseher zwei Stunden lang in eine katastrophale "Liebesgeschichte" getaucht, an deren Ende die Wirtschaftskrise steht. Kapitalismus, das macht Moore gleich zu Beginn klar, ist ein Vergewaltigungssystem, und zwar eines, das perfiderweise mit Zustimmung der Opfer agiert. Nicht nur Banken, Korporationen und Politiker sind für das Desaster verantwortlich, sondern auch die Menschen selbst, behauptet Moore, und belegt mit geheimen Papieren von Citibank, wie die amerikanische Demokratie längst auf dem Weg in eine Plutokratie ist, wo ein Prozent Superreiche mehr verdienen als 95 Prozent der Bevölkerung und gleichzeitig im Finanzministerium die Strippen ziehen. Unterlegt mit wuchtigem Action-Soundtrack wird dann die Geschichte des Kapitalismus von den alten Römern bis heute erzählt. Es beginnt mit Sklavenhaltung, Brot und Spielen im alten Rom, die nahtlos mit Fabrikarbeitern, Irakkrieg und Bushs Administration überblendet werden, und mündet im großen Showdown, dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Den Ursprung der gegenwärtigen Krise ortet Moore in der Deregulierungspolitik der Reagan-Jahre. Damals habe eine Art Machtergreifung der amerikanischen Großunternehmen stattgefunden, die es bis zuletzt geschafft hätten, Steuersenkungen und Gesetze in ihrem Interesse zu erlassen. Immer wieder stellt der Regisseur mehr und weniger überraschende Zusammenhänge her: Er erzählt von Piloten, die so wenig verdienen, dass sie nicht selten Nebenjobs annehmen müssen, wodurch die Flugsicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Er berichtet von Jugendlichen, die von korrupten Richtern wegen Minimaldelikten verurteilt werden, damit das Privatunternehmen, das die Jugendhaftanstalt führt, Gewinne macht. Und einmal mehr startet der missionarische Weltverbesserer provokante Aktionen: Etwa, wenn er mit einem leeren Geldtransporter in die Wall Street fährt, um von den Banken sein Geld zurückzufordern. Am Ende gibt es schließlich doch noch Hoffung für sein Land: Barack Obama übernimmt die Macht und solidarisiert sich mit den streikenden Arbeitern in Chicago. Der Film lief zuletzt am 22.12.2009. Links |
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