ANTICHRIST

Deutschland/Dänemark/Frankreich/Italien/Polen/Schweden 2009; Regie: Lars von Trier; Drehbuch: Anders Thomas Jensen; Kamera: Anthony Dod Mantle; Schauspieler: Charlotte Gainbourg, Willem Dafoe; 104 Min., OF Englisch mit UT in Deutsch
FSK 18


 

Ein Ehepaar hat leidenschaftlichen Sex unter der Dusche und vernachlässigt deshalb die Aufsicht über den kleinen Sohn. Dieser beobachtet die Eltern beim Sex, stürzt beim Sturz aus dem Fenster und stirbt. Die Frau wird mit Verlust und Schuld nicht fertig, alle Therapieversuche scheitern, nichts kann sie aus ihrer Lethargie holen. Bis ihr Mann, ein Psychotherapeut, beschließt die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Er beschließt, die Angstattacken seiner Frau durch eine Konfrontationstherapie zu bekämpfen, und so ziehen sich die beiden in jene Waldhütte namens Eden zurück, in der die Frau letzten Sommer gemeinsam mit ihrem Sohn verbracht hat, um an ihrer Dissertation über Hexenverbrennungen zu arbeiten. Doch der Mann muss bald erkennen, dass sehr viel mehr hinter dem Verhalten der Frau steckt: In der Abgeschiedenheit der Hütte stürzt das Paar in der Folge in eine Spirale aus Sex und Gewalt.
Seit seiner Premiere in Cannes eilt Lars von Triers neuestem Werk ein Ruf voraus: Kein anderer Film hat in letzter Zeit das Publikum gleichermaßen irritiert und gespalten. ANTICHRIST führt den Zuseher in eine düstere, apokalyptische Alptraumwelt, in ein surreales, abgründiges Horror-Märchen mit drei programmatischen Kapiteln: Schmerz, Trauer, Verzweiflung. Dem Zuseher wird hierbei einiges an Gewalt, Blut und Sex zugemutet. Einige Bilder sind nur schwer auszuhalten, etwa eine Nahaufnahme einer vaginalen Selbstverstümmelung mit einer Schere. ANTICHRIST ist aber nicht nur ein Horrorfilm über den Geschlechterkampf, sondern auch ein Märchen - mit einem gebärenden Reh, einem unsterblichen Raben und einem Fuchs, der den Satz "Das Chaos regiert" spricht. Visuell schöpft Lars von Trier hierbei - ganz entgegen der einstigen, kargen Dogma-Ästhetik - aus dem Vollen: Er arbeitet mit Zeitlupen, Farbverfremdungen, aufwendig arrangierten Traumtableaus und sogar mit computerbearbeiteten Einstellungen. Das bildgewaltige und von Symbolen nur so triefende Ergebnis lädt geradezu zu endlosen Interpretationsversuchen ein. Der Regisseur selbst hingegen erklärte öffentlich, der Film habe in erster Linie den therapeutischen Zweck gehabt, ihn aus einer existentiellen Depression herauszuführen. "Vielleicht", so schrieb Daniel Kehlmann über ANTICHRIST in "DIE ZEIT", "hat einen noch nie ein Film so intensiv die Gegenwart des Bösen als metaphysisch zerstörbare Macht empfinden lassen." Und die NZZ urteilt: "ANTICHRIST zeigt das Ende eines Paares, das Ende des Geschlechterkampfes. Das Ende der Liebe. Das Ende der Menschheit. ANTICHRIST ist die reine Apokalypse." Charlotte Gainsbourg wurde für ihre aufwühlende Darstellung in Cannes mit der Silbernen Palme als Beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Der Film lief zuletzt am 18.12.2009.

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