DAS WEISSE BAND

Deutschland/Italien 2009; Regie: Michael Haneke; Drehbuch: Michael Haneke; Kamera: Christian Berger; Schauspieler: Christian Friedel, Ernst Jacobi, Leonie Benesch, Burghart Klaussner, Ulrich Tukur, Josef Bierbichler, Susanne Lothar, Detlev Buck, Birgit Minichmayr; 145 Min., OF Deutsch
FSK 12

In einem Dorf im protestantischen Norden Deutschlands passieren am Vorabend des Ersten Weltkrieges seltsame Unfälle. Ein Landarzt stürzt mit seinem Pferd schwer, ein unsichtbares Seil brachte das Pferd heimtückisch zu Fall. Wenig später wird eine etwas kränkelnde Frau das Opfer eines tödlichen Unfalls im Sägewerk. Aus Rache wird das Kind des Barons schwer misshandelt, später wird der behinderte Junge der Hebamme brutal zusammengeschlagen und an einen Baum gefesselt. Einzig der Dorflehrer, Leiter des Schul- und Kirchenchors, wundert sich über die mysteriösen Vorfälle und stellt Nachforschungen an. Bald drängt sich der Verdacht auf, dass die Kinder des Dorfes etwas damit zu tun haben könnten.
In DAS WEISSE BAND spürt Michael Haneke dem untergründigen Sadismus nach, der in einem Dorf die Machtverhältnisse sichert. In dieser Welt sind die Autoritätsverhältnisse klar definiert – und zählen Missbrauch, Demütigung und strukturelle Gewalt zum Alltag. „Herr Vater“ sagen die braven Kinder stets gehorsam zum Pastor. Aber wenn es diesem nicht passt, holt dieser die Schuldkeule aus dem Schrank und heftet ihnen das titelgebende „weiße Band“ als öffentliches Zeichen ihrer Schuld an. Die systematische Brutalität richtet sich dabei stets gegen die jeweils Schwächeren – Frauen und Kinder werden familiär missbraucht, die ‚Gesundheit’ setzt sich gegen die Behinderung durch, ‚Reinigung’ wird durch Züchtigung vollzogen. Solcherart ist natürlich auch als psychologische Studie zur Entstehung des Faschismus zu lesen: Hier wächst jene Kinder- und Jugendgeneration heran, die durch ihre repressive Erziehung zu den Gehilfen und Vollstreckern der mörderischen Maschine des Nationalsozialismus werden wird. Gnadenlos hält Michael Haneke seine Kamera wie ein Mikroskop auf das Monster Mensch, emotionslos taucht er den Zuseher in die düsteren Zusammenhänge menschlicher Abgründe. Die von Christian Berger fotografierten   Schwarzweißbilder samt leichtem Sepiaton erinnern in ihrer bestechenden Klarheit,  Lichtführung und ihren Kontrasten an die Arbeiten Sven Nykvists für Ingmar Bergman. Auch inhaltlich finden sich Parallelen zu Bergman, etwa was die Bestimmtheit und die Wortkargheit der Figuren betrifft. Hervorragend ist auch die Besetzung des Films: Für die Erwachsenen hat Haneke gleichsam eine Crème de la crème des deutsch-österreichischen Schauspiels verpflichtet, für die Kinder wählte er in einem aufwendigen Casting aus 7000 Teilnehmern seine Dorfjugend aus. „DAS WEISSE BAND“, urteilte die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG bei der Premiere des Films in Cannes, „ist der künstlerische und gedankliche Höhepunkt des Festivals. Makellos sind sie Schwarzweissbilder entrückter Landschaften und Begebenheiten, makellos die Leistungen der Schauspieler. Unerhört und zumal durch seine Menge in der Filmgeschichte ohne Beispiel ist jedoch, was wir hier an subtilsten Kinderporträts zu sehen bekommen, an Einblicken in eine gleicherweise rührende wie heimlich-unheimlich verschwiegene Welt.“ Bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes wurde „DAS WEISSE BAND“ mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Termine

MÄRZ 2010
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Links

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