IT'S A FREE WORLD...

Deutschland/Spanien/Italien/Polen/Großbritannien 2007; Regie: Ken Loach; Drehbuch: Paul Laverty; Kamera: Nigel Willoughby; Schauspieler: Kierston Wareing, Juliet Ellis, Leslaw Zurek, Joe Siffleet, Colin Coughlin, Maggie Hussey, Raymond Mearns, Davoud Rastgou, Mahin Aminnia; Produzent: Rebecca O'Brien; Musik: George Fenton; 93 Min., OF Englisch, Polnisch mit UT in Deutsch
Ohne Altersbeschränkung

Die allein erziehende Mutter Angie ist eine Individualistin und steht mitten im Leben. Taff, schlagfertig, attraktiv und selbstbewusst lebt in ihr der Unternehmergeist einer liberalen Wirtschaftswelt. Als sie ihren Job in einer Personalvertretung verliert, lässt sie sich nicht beirren und beschließt, ihre eigene Agentur auf die Beine zu stellen. Sie steigt ein ins Geschäft mit Gastarbeitern aus Osteuropa. Doch hier ist das Geschäftsklima rau, sind Gesetze nur zum Übertreten da. Zusammen mit ihrer Freundin Rose verschafft sie illegalen Einwanderern Arbeit – wenn auch nur für einen Tag. Doch mehr und mehr gerät Angie zwischen die Fronten aus Wirtschaftsbossen, Menschenhändlern und aufbegehrenden Arbeitern. Schnell wird das einstige Opfer dabei selbst zum Ausbeuter und gerät dadurch sogar in Lebensgefahr.
Ken Loach, der wohl genaueste Beobachter des britischen Alltagslebens und seiner sozialen Umstände, erzählt in „IT’S A FREE WORLD“ von einem England des globalisierten Arbeitsmarktes, wo im Überlebenskampf unter den prekären sozialen Bedingungen sich jeder selbst der Nächste ist. Mit seiner Protagonistin, beeindruckend dargestellt von der noch unbekannten britischen Schauspielerin Kierston Wareing, hat Loach dabei eine seiner ambivalentesten Figuren geschaffen. Die Geschichte von Angies emotionaler Verrohung dient ihm als Exempel für die zunehmende Entsolidarisierung in einer Welt des Raubtierkapitalismus. In ungeschönten, unsentimentalen Bildern, ohne missionarischen Eifer und ohne Zugeständnisse an den Publikumsgeschmack zeichnet Loach ein zwingendes Porträt der alltäglichen Arbeitswelt an den Rändern unserer Gesellschaft. „Wie Loach das tut“, schreibt die FAZ, „ist bewundernswert und von langer Erfahrung geprägt. Sein Film ist schnell, effektiv und flüssig erzählt. Die Dialoge haben viel Witz. Es hätte gar nicht der aktuellen Finanzkrise bedurft, um den Film dabei überaus zeitgemäß erscheinen zu lassen. IT’S A FREE WORLD erinnert daran, was das Kino auch kann: in unterhaltsamer Form eine Kritik der Gegenwart formulieren und Gewissheiten erschüttern.“ Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde IT’S A FREE WORLD mit dem Preis für das Beste Drehbuch ausgezeichnet.

Der Film lief zuletzt am 20.03.2009.

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