07/P18: AFGHANISTAN - REISE NACH KANDAHAR

REISE NACH KANDAHAR

Frankreich/Iran 2001; Regie: Mohsen Makhmalbaf; Drehbuch: Mohsen Makhmalbaf; Kamera: Ebrahim Ghafori; Schauspieler: Niloufar Pazira, Hassan Tantai, Sadou Teymouri; Produzent: Mohsen Makhamalbaf; Musik: Mohamad Reza Darvishi; 85 Min., OF Englisch, Paschtunisch, Persisch, Polnisch
FSK 12

Preis der ökumenischen Jury, Cannes 2001
Unesco-Preis: Fellini-Medaille in Gold für das Filmwerk von Mohsen Makhmalbaf und sein Engagement für afghanische Frauen
REISE NACH KANDAHAR basiert auf der wahren Geschichte einer afghanischen Frau, der es gelungen ist, vor den Taliban zu flüchten. Im kanadischen Exil, wo sie als Journalistin arbeitet, erhält sie einen Hilferuf ihrer jüngeren Schwester. So kehrt sie nach Afghanistan zurück, aber ihre Suche führt sie von der iranisch-afghanischen Grenze ins Reich der Taliban. Auf ihrem Weg nach Kandahar erlebt sie, wie drückend der Terror und die Not das Land und besonders die Frauen beherrschen. Es ist eine beschwerliche Reise durch eine Wüstenwelt von fast unwirklicher Ferne, mit Blicken in Koranschulen, auf Landminenopfer, auf Totalverschleierung, Hunger und Krankheit. Die junge Frau wird nicht ankommen, doch Regisseur Makhmalbaf erreicht etwas, was im Kino elementar ist: Er zeigt, wo Sichtbarkeit ein Tabu ist.
Mohsen Makhmalbaf, der im Iran eine große Filmfirma unterhält, hat keinen flammenden Appell gedreht, das wäre weder typisch für ihn als Regisseur (GABBEH, 1995; DIE STILLE, 1998) noch als Iraner: "Wenn ich nur zehn Prozent dessen, was ich in REISE NACH KANDAHAR über Afghanistan sage, über den Iran sagen würde, wäre der Film dort gestoppt worden." REISE NACH KANDAHAR ist ein Werk voller Metaphern, in denen bittere Wahrheit steckt. Wenn ein Rotkreuzhubschrauber über der Wüste Beinprothesen für Minenopfer an Fallschirmen abwirft, dann wehrt man sich spontan gegen die Schönheit des Bildes, hier prallen Poesie und Wirklichkeit hart aufeinander. Durch diese Bildsprache gelingt es Makhmalbaf, die Realität in seiner schrecklichen Dimension darzustellen und nicht durch schöne Bilder zu verschleiern.
Regisseur Mohsen Makhmalbaf, geb. 1957, stammt aus einer sehr armen Familie. Bereits mit 15 Jahren musste er allein seine Familie ernähren, nachdem sein Vater die Familie verließ. Zwei Jahre später landet er als aktiver Gegner des Schahregimes bis zum Zeitpunkt der islamischen Revolution 1979 im Gefängnis. 1982 realisiert er seinen ersten Film, ohne jemals einen Fuß in ein Kino gesetzt zu haben. Seither begleitet Mahkmalbaf mit seinem Filmschaffen kontinuierlich die gesellschaftliche Entwicklung im Iran und kommentiert mutig (mehrere Filme fallen der Zensur zum Opfer) die Gegenwart mit konstruktiver Schärfe.

Der Film lief zuletzt am 30.11.2007.

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