UTOPIA BLUES

Schweiz 2001; Regie: Stefan Haupt; Drehbuch: Stefan Haupt; Kamera: Stéphane Kuthy; Schauspieler: Michael Finger, Babett Arens, Tino Ulrich, Muriel Wenger, Ettore Cella, Bruno Cathomas, Jaap Achterberg, Oscar Bingisser, Lea Schmocker; Musik: Tino Ulrich; 97 Min., OF Deutsch
FSK 10

Der 18jährige Raffael Hasler hat das Motto: "Total leben oder total sterben!" - nichts dazwischen. Sein grösster Wunsch ist es, als freier Musiker berühmt zu werden. Mit seinem Freund Dani brennt er ihre erste CD und träumt vom Durchbruch. Zur Feier ihres Werks unternehmen sie eine unerlaubte Spritzfahrt, auf der sie weiter vom grossen Erfolg träumen. Raffael "muss" seine Utopien in die Tat umsetzen, kompromisslos das tun, was er für richtig hält. Doch seine Sehnsüchte und Ideale wachsen ihm über den Kopf, treiben ihn aus der Bahn. Er hält beispielsweise einen spontanen Auftritt mitten auf der stark befahrenen Hardbrücke, wobei er die Fahrt eines öffentlichen Busses blockiert. Es kommt so weit, dass er einmal zuhause mit Betäubungsmitteln ruhiggestellt und abgeführt werden muss. Man diagnostiziert ihm manische Depressivität.
Stefan Haupt zum Background:
Unsere Gesellschaft stellt an die heranwachsenen Jugendlichen hohe Ansprüche.
Die Rede ist von struktureller Gewalt, von schwindenden Freiräumen, von den Auswirkungen der Konsumgesellschaft, von Jugendarbeitslosigkeit, vom Wert und Sinnzerfall, von Aids, vom Fehlen authentischer Gefühle und Erlebnisse.
Wer mit den gesellschaftlichen Ansprüchen nicht mithalten kann, oder will, taucht ab. Zu den Abgetauchten gehören häufig auch Menschen in psychiatrischen Kliniken.
Und ebenso gehören all jene dazu, die ihrem Leben selbst ein Ende setzen. Wir haben die Tendenz, Anormalität, Krankheit und Tod zu verdrängen und auszusperren.
Wenn dadurch der Eindruck entsteht, es gäbe eine eindeutig klare Linie zwischen "gesund" und "krank", wird häufig vergessen, dass sowohl in jedem Gesunden auch Krankes vorhanden ist, als auch jeder Kranke genauso "gesunde" Teile in sich trägt.
Ebenso ausgeblendet wird, was der bekannte Psychiater Ronald D.Laing treffend formulierte: "Krankheiten können auch gesunde Reaktionen auf kranke Verhältnisse sein."

Der Film lief zuletzt am 08.11.2007.

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