FULL METAL VILLAGE

Deutschland 2006; Regie: Sung-Hyung Cho; Drehbuch: Sung-Hyung Cho; Kamera: Marcus Winterbauer; Schauspieler: Multibauer Uwe Trede & Lore Trede, Milchbauer Klaus H. Plähn, Irma Schaack & Schwester Eva Waldow, Ann-Kathrin Schaack & Cousine Malena Schaack, Norbert Venohr & Birte Venohr, Pastor Henning Halver sowie Gemischter Chor Wacken, Freiwillige Feuerwehr Wack; Produzent: Helge Albers; Musik: Sung-Hyung Cho; 90 Min., OF Deutsch
FSK 10

Das 1800-Seelen-Dorf Wacken in Schleswig-Holstein ist ein verschlafenes Nest. Doch alljährlich, am ersten Augustwochenende, ist alles anders. Da fallen 40.000 Heavy Metal-Fans mit langen Haaren, schwarzen Ledermänteln und Nietenhalsbändern aus aller Welt in Wacken ein, grölen „Wacken rules!“, konsumieren jede Menge Alkohol und machen mit der Hand mit Vorliebe das Teufelszeichen. Mit dem unvoreingenommenen Blick eines Fremden dokumentiert die seit 17 Jahren in Deutschland lebende Koreanerin Sung Hyung Cho in ihrem „Heimatfilm“ FULL METAL VILLAGE diese kuriose Begegnung zweier unterschiedlicher Kulturen. Hierbei konzentriert sie sich weniger auf das Festival und die Musik als auf die Bewohner des Dorfes. Mit ethnologischem Blick enthüllt sie die kleinen Abgründe der Provinz und lockt in Gesprächen Probleme und Mentalitäten der Bewohner hervor. Da ist etwa Bauer Trede, der sich neben der traditionellen Landwirtschaft mit einer Biogasanlage und kleinen Aktiengeschäften seine Nebeneinkünfte sichert. Bauer Plähn sitzt hingegen gelassen im Stall und wartet, bis die Milch auf 40 Grad erwärmt wird. „So macht Landwirtschaft Spaß“, sagt er und seufzt. Die 16-jährige Katrin würde am liebsten mal was anderes sehen, z.B. Urlaub in Bayern machen. Ihre Oma Irma ist Mitglied im Gemeindechor und sehr gläubig. In den Metal-Fans sieht sie eher Teufelsanbeter, die bestimmt auch schon Tiere geopfert haben. Ansonsten zeigt sich die Bevölkerung aber in der Stunde der Wahrheit überraschend souverän und aufgeschlossen. Mit Klappstühlen sitzt man im Vorgarten und schaut dem illustren Treiben zu.
FULL METAL VILLAGE ist ein Film über das Fremde und die Annäherung zwischen Fremden, ein Essay über die ganz normale deutsche Provinz. In ruhigen, klaren Bildern zeigt der Film die Konfrontation zwischen landwirtschaftlichem Dorfleben und lärmenden Heavy Metal-Fans und sorgt hierbei immer wieder für komische Momente, etwa wenn die örtliche Blasmusikkapelle gestandene Metal-Fans zu Polonaisen und Schunkeln animiert. „Dass ein paar Bruchstücke bundesdeutscher Wirklichkeit wie ein Stück gut erfundener Fiktion erscheinen können“, schreibt die FAZ über diesen Film, „ist nicht die schlechteste Erfahrung mit der man ein Kino verlassen kann.“ FULL METAL VILLAGE wurde mit dem Hessischen Filmpreis 2006 und dem Filmpreis Schleswig-Holstein ausgezeichnet und ist in der 28-jährigen Geschichte des Max Ophüls-Preises der erste Dokumentarfilm, der den Hauptpreis gewonnen hat.

Der Film lief zuletzt am 07.05.2008.

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