AUS DER ZEIT

Österreich 2006; Regie: Harald Friedl; Drehbuch: Harald Friedl; Kamera: Bernhard Pötscher; Schauspieler: Fee Frimmel, Gertrude Fritz, Werner Fritz, August Jentsch, Katharina Jentsch, Josef Kienesberger; Musik: Gerald Schuller; 80 Min., deutsche OF
FSK 12

In Europa verschwinden immer mehr alte Geschäfte, die in einer modernen Shopping-Kultur, in der Geiz als geil verkauft wird, keinen Platz haben. Harald Friedls Dokumentarfilm AUS DER ZEIT handelt von vier solchen Geschäften und den Menschen, die sie betreiben. Lederwaren Jentsch etwa gibt es schon seit 1874. In der Werkstatt, die seit Jahrzehnten nicht aufgeräumt wurde, reparieren August und Katharina Jentsch Jacken und Taschen, und führen Gespräche über Details des Materials, über das Weitermachen trotz geringer Einkünfte. Manche der Bilder und Szenen wirken wie Gemälde von Carl Spitzweg. Der 85-jährige Peppi Kienesberger spaziert einsam in seiner Drogerie (gegründet 1928) umher und führt Selbstgespräche. Er kommentiert das Sortiment, erzählt von der Lehrzeit bei der jüdischen Familie, von Arisierung und Krieg. Die Vorstadt-Fleischerei Fritz, gegründet 1904, ist nicht nur als Nahversorger, sondern auch als Sozialraum wichtig. Doch für die langen Arbeitstage fühlt sich das Ehepaar Fritz langsam zu alt und Nachfolger gibt es nicht. Der Knopfkönig (seit 1844) ist zwar eines der schönsten Geschäfte Wiens, doch der Branche geht es schon lange schlecht.
AUS DER ZEIT zeigt die Menschen in ihrem Umgang mit Räumen und Dingen, den Kundschaften, mit sich selbst und miteinander. Die Kamera ist hierbei stets stille Beobachterin, die dem Treiben im Laden, den Selbstgesprächen und Dialogen zusieht. AUS DER ZEIT ist ein intimer Film über Erinnerungen und Prägungen, über das Festhalten und Loslassen.

Der Film lief zuletzt am 10.02.2008.

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