MEIN FÜHRER
DIE WIRKLICH WAHRSTE WAHRHEIT ÜBER ADOLF HITLER
Deutschland 2006; Regie: Dani Levy; Schauspieler: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Adriana Altaras, Ulrich Noethen u.a.; 89 Min., dt. OF FSK 10, FSK 14 empfohlen
Dezember 1944: Der totale Krieg ist so gut wie total verloren. Doch so leicht will Goebbels sich nicht geschlagen geben. Am Neujahrstag soll der Führer mit einer kämpferischen Rede noch einmal die Massen begeistern. Das Ganze hat nur einen Haken: Der Führer kann nicht. Krank und depressiv meidet er die Öffentlichkeit. Nur einer kann jetzt noch helfen: sein ehemaliger Schauspiellehrer Professor Adolf Grünbaum, ein Jude. Goebbels lässt Grünbaum samt seiner Familie aus dem KZ Sachsenhausen in die Reichskanzlei holen. In nur fünf Tagen soll Professor Grünbaum den Führer zur Höchstform bringen, aber Grünbaum hat einen ganz anderen Plan. Im Unterschied zu Filmen wie DER UNTERGANG oder SOPHIE SCHOLL, die eine authentische Darstellung der Zeit des Nationalsozialismus anstreben, seziert Dani Levy (ALLES AUF ZUCKER) den Schrecken jener Jahre mit subversivem Humor und einer provozierend frechen Geschichte. Als Steven Spielbergs SCHINDLERS LISTE in die Kinos kam, so der Regisseur, sei er einer jener orthodoxen Kritiker gewesen, die sich dagegen auflehnten, dass man sich ein filmisches Bildnis des Holocaust mache. Demgemäß nähert sich Levy Adolf Hitler nun wie Karl May seiner Indianerwelt. „Für mich“, ist der Regisseur überzeugt, „kommt die Fantasie, die Fakten unabhängige Fabel der Wahrheit näher.“ Und so dringt MEIN FÜHRER nun mit einer frei erfundenen Geschichte sowie mit analytischer Schärfe und erfrischender Respektlosigkeit zum Kern des Phänomens Hitler vor. Er gibt die Nazi-Herrscher dem Gelächter preis und stößt sie so vom Sockel historisch getreuer Dokumentation. Hierbei kann sich der Film auf ein erstklassiges Schauspieler-Ensemble stützen: Neben Kult-Komiker Helge Schneider als Adolf Hitler und Ulrich Mühe als Prof. Adolf Grünbaum glänzt der Film mit einer bis in die kleinsten Nebenrollen originellen komödiantischen Besetzung. „Die Komödie“, meint Dani Levy, „ist subversiver als die Tragödie. Sie kann Verhältnisse ungeschminkt zeigen und sie dadurch in ihrer Erbärmlichkeit entlarven.“ In diesem Sinne steht MEIN FÜHRER ganz in der Tradition von Klassikern der politischen Komödie wie Charlie Chaplins DER GROSSE DIKTATOR oder Ernst Lubitschs SEIN ODER NICHTSEIN.
Der Film lief zuletzt am 28.02.2007.
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