ZEIT ZU GEHEN
Österreich 2006; Regie: Anita Natmeßnig; 95 Min., deutsche Originalfassung FSK 10, FSK 12 empfohlen
ZEIT ZU GEHEN ist ein Dokumentarfilm über das große Tabu unserer Zeit: das Sterben. Anita Natmeßnig und ihr Team hatten die einmalige Möglichkeit, drei Monate lang im Alltag CS Hospiz Rennweg teilzunehmen. Eine 12-Betten-Station, wo das Sterben als natürlicher Teil des Lebens akzeptiert wird. Der Film zeigt, wie sechs unheilbar krebskranke Menschen die letzten Monate, Wochen und Tage ihres Lebens verbringen. Durch Schmerztherapie, Symptomlinderung, intensive Pflege und Betreuung haben sie Zeit, in Würde Abschied zu nehmen. Entsprechend der vorherrschenden Stimmung im Hospiz bleibt ZEIT ZU GEHEN sehr zurückhaltend in der Inszenierung. Die Kamera ist statisch und unaufdringlich, verzichtet auf Großaufnahmen, um einen voyeuristischen Blick zu verhindern. Die Regisseurin übernimmt die Position der emphatischen Beobachterin, greift kaum in die gegebenen Tagesabläufe ein, führt die Gespräche – über das Sterben, den Tod und das Leben danach – mit großem Einfühlungsvermögen. Gezeigt werden dabei kleine Geschichten des Alltags, eine Patientin wird gewaschen, eine andere, humorvolle, lässt sich ein paar Tage vor ihrem Tod die Haare schneiden. Angst vor dem Tod findet man kaum, ebenso wenig verzweifelte Zusammenbrüche. ZEIT ZU GEHEN zeigt Sterben nicht als Sensation oder Schreckgespenst, sondern als Alltag. ›Ich will mit meinem Film‹, so Regisseurin Anita Natmeßnig, ›ein Votum für die Hospizidee abgeben, d.h. Lebensqualität für Menschen, deren Krankheit nicht mehr geheilt werden kann. Sterben als natürliche Phase des Lebens akzeptieren, die wie das Säuglingsalter viel Unterstützung braucht. Mein Film macht Sterbende sichtbar und hörbar. Dabei wird deutlich: Im Angesicht des Todes geht es um das Leben.‹
Der Film lief zuletzt am 20.04.2007.
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