LANTANA
Deutschland/Australien 2001; Regie: Ray Lawrence (II); Drehbuch: Andrew Bovell; Kamera: Mandy Walker; Schauspieler: Anthony LaPaglia, Geoffrey Rush, Barbara Hershey, Kerry Armstrong; Produzent: Mikael Borglund, executive producer; Musik: Paul Kelly (III); 120 Min., 35mm; Farbe; 120 min; engl. OmU Ohne Altersbeschränkung
Eine Frau verschwindet: Sie ist mit dem Auto in der Nacht unterwegs, hat eine Panne und versucht von einer Telefonzelle vergeblich ihren Mann anzurufen. Ein Polizist soll das mysteriöse Verschwinden der Frau nun aufklären – und sieht sich mit einem undurchdringlichen Labyrinth menschlicher Beziehungen konfrontiert. LANTANA präsentiert sich vordergründig zwar als Psychothriller, um in der Folge Szenen von vier Ehen in einer australischen Kleinstadt zu erzählen. Etwa von jener zwischen John und der – nächtlich verschwundenen – Psychotherapeutin Valerie. Seit vor zwei Jahren ihre Tochter ermordet wurde, bröckelt ihre Ehe. Valerie ist sogar überzeugt, dass ihr Mann ein homosexuelles Verhältnis hat. Auch Sonja, eine Patientin Valeries, glaubt, dass ihr Mann Leon eine Affäre hat. Tatsächlich befindet sich der Polizist und Vater zweier halbwüchsiger Söhne in einer Midlife-Crisis und flüchtet in die Arme einer Frau, die er bei einem Samba-Kurs kennen gelernt hat. Leons Geliebte wiederum wirft neidvolle Blicke auf ihre vermeintlich glücklichen Nachbarn, ein junges Ehepaar mit zwei kleinen Kindern. Und dann wird im tropischen Dickicht vor der Stadt eine Leiche gefunden – und alle Beteiligten sind plötzlich in die polizeiliche Untersuchung verwickelt.
Der australische Fernsehregisseur Ray Lawrence hat Andrew Bovells Theaterstück SPEAKING WITH TONGUES in eine australische Vorstadt und den angrenzenden Busch verlegt. LANTANA verbirgt seine Kammerspiel-Wurzeln nicht, im Gegenteil: Gerade die ausgefeilten Dialoge und die Gesichter seiner Akteure – allen voran Anthony LaPaglia, Barbara Hershey und Geoffrey Rush – machen einen wesentlichen Reiz des Films aus. Von Anfang an verlagert sich die Inszenierung mehr nach Innen, zur Aufarbeitung der Vergangenheit: Die Szenen einer Ehe werden weniger ausagiert denn reflektiert. LANTANA ist ein Psychothriller voller Geheimnisse und Suspense, doch sein eigentliches Thema ist die Liebe in Zeiten der Entfremdung. Durch Verrat und eine Sexualität, die mit den Jahren in den Hintergrund geraten ist, sind aus den einst Liebenden Opfer einer stillen Verzweiflung geworden. In der titelgebenden Strauchpflanze findet der Film hierbei eine ideale Metapher für die beiden Gesichter der Liebe: Lantana ist ein Kraut, welches zum einen durch seinen dichten, stacheligen Wuchs und zum anderen durch seine farbenprächtigen, wohlriechenden Blüten charakterisiert ist. Bei den AFI-Awards – den ›australischen Oscars‹ – wurde LATANA in nicht weniger als sieben Kategorien ausgezeichnet.
www.lantana-derfilm.de
Der Film lief zuletzt am 18.07.2003.
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