GOOD BYE, LENIN !

Deutschland 2003; Regie: Wolfgang Becker; Drehbuch: Bernd Lichtenberg, Wolfgang Becker; Kamera: Martin Kukula; Schauspieler: Daniel Brühl, Katrin Saß, Maria Simon, Chulpan Khamatova, Florian Lukas, Alexander Beyer, Burghart Klaußner, Christine Schorn, Michael Gwisdek, Jürgen Holtz, Jochen Stern; Produzent: Stefan Arndt; Musik: Yann Tiersen; 118 Min., 35mm; Farbe; 118 Min, OF
Ohne Altersbeschränkung



Geschichte wird gemacht. Nur für den 21-jährigen Alex geht nichts voran. Kurz vor dem Fall der Berliner Mauer erleidet seine Mutter Christiane, eine selbstbewusste Bürgerin der DDR, auf dem Weg zum Palast der Republik einen Herzinfarkt, fällt in ein tiefes Koma - und verschläft den Siegeszug des Kapitalismus. Als sie wie durch ein Wunder nach acht Monaten die Augen wieder aufmacht, erwacht sie in einem neuen Land. Sie hat nicht miterlebt, wie West-Autos und Fast-Food-Ketten den Osten überrollen, wie Coca Cola Jahrzehnte des Sozialismus einfach wegspült, wie man hastig zusammen wachsen lässt, was zusammen gehört. Erfahren darf sie von alledem nichts: zu angeschlagen ist ihr schwaches Herz, als dass sie die Aufregung überstehen könnte. Und so verschweigt Alex seiner bettlägerigen Mutter einfach die weltbewegenden Ereignisse der letzten Monate und lässt auf 79 Quadratmetern Plattenbau die DDR kurzerhand wieder auferstehen.
Fünf Jahre nach DAS LEBEN IST EINE BAUSTELLE erzählt Wolfgang Becker mit GOOD BYE, LENIN! eine etwas andere Geschichte der gesamtdeutschen Historie. Den Großteil seiner Komik bezieht der Film hierbei aus den Bemühungen von Alex, die Illusion des Fortbestands der DDR aufrecht zu erhalten. Da werden West-Produkte in Ost-Verpackungen umgefüllt, windige Erklärungen für übergroße Coca Cola-Plakate gefunden, die vom Haus gegenüber herabhängen. Und wenn die Mutter TV-Nachrichten sehen will, dann wird einfach die „Aktuelle Kamera“ inszeniert - und die Wirklichkeit manipuliert. Vom Trabi über die Spreewald-Gurken bis zum Vorsingen alten Liedguts: Mit erstaunlicher Kenntnis und genauem Gespür für Details lässt Becker den DDR-Alltag wieder aufleben - ohne die DDR nostalgisch zu verklären. GOOD BYE, LENIN! ist ein Film voll origineller Ideen und einem verhaltenen, nie in Slapstick abgleitenden Humor, eine im wahrsten Sinne des Wortes deutsche Tragikomödie, welche die Tragweite der Wiedervereinung aus ostdeutscher Perspektive auslotet. In Deutschland avancierte GOOD BYE, LENIN! zum Publikumshit, bei den Berliner Filmfestspielen wurde der Film mit dem AGICOA-Preis „Der Blaue Engel“ (bester europäischer Film) ausgezeichnet.

Der Film lief zuletzt am 02.05.2004.

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