DEM HIMMEL SO FERN
FAR FROM HEAVEN
Frankreich/USA 2002; Regie: Todd Haynes; Drehbuch: Todd Haynes; Kamera: Ed Lachman; Schauspieler: Julianne Moore (Cathy Whitaker), Dennis Quaid (Frank Whitaker), Dennis Haysbert (Raymond Deagan), Patricia Clarkson (Eleanor Fine), Viola Devis (Sybil), James Rebhorn (Dr. Bowman), Bette Henritze (Mrs. Leacock), Michael Gaston (Stan Fine), Ryan Ward (Davi; Produzent: Jody Patton; Musik: Elmer Bernstein; 107 Min., 35mm; Farbe, 107 Min; engl.OmU Ohne Altersbeschränkung
Es ist Herbst im adretten Städtchen Hartford, Connecticut, des Jahres 1957. Cathy und Frank Whitaker führen ein idealtypisches Vorstadt-Leben im Amerika der 50er Jahre - mit einem schönen Haus, einem gepflegten Garten, entzückenden Kindern und schwarzen Dienstboten. Frank ist erfolgreicher Chef der Magnatech TV Sales Company, seine Frau wird im Lokalblatt als Modell einer idealen Hausfrau und Gattin porträtiert. Frisur, Petticoat, Vorhang und Spitzendecken: Alles sitzt, alles passt, alles so sauber und rein. Bis schließlich ein Element im Gefüge verrutscht und die scheinbar perfekte Welt ins Wanken gerät: Zufällig entdeckt Cathy eines Tages die geheimen homosexuellen Neigungen ihres Mannes. Cathy ihrerseits empfindet Zuneigung zu ihrem schwarzen Gärtner Raymond. Während der Mann seine Homosexualität zunächst vor seiner Umgebung verbergen kann (und sein „Problem“ anfänglich bei einem Psychiater loszuwerden versucht), wird Cathys Begehren sofort zum Objekt giftigen Klatsches.
Todd Haynes FAR FROM HEAVEN wirkt, als würde er direkt aus den 50er Jahren stammen. Die Technicolor-Farben, die Lichtsetzung, die Ausstattung, die Kostüme, die Dekors und dramaturgischen Konstellationen sind bis ins Detail den damaligen Melodramen von Max Ophüls, Nicholas Ray und vor allem Douglas Sirk nachempfunden. Was jedoch jene Regisseure vielleicht mit einer Farbe, einer Geste höchstens angedeutet haben, avanciert bei Todd Haynes zu einem offenen Tabubruch rund um die Themen Homosexualität und Rassismus. In quälender und zugleich verlockender Weise macht der Film die Nahtstellen zwischen Begehren und Verbot deutlich und entlarvt hierbei genüsslich die Doppelmoral der Gesellschaft. Regisseur Todd Haynes: „Wenn man den Bildern einer scheinbar unschuldigen Zeit wie den Fünfzigern brisante Themen wie Rassismus und sexuelle Abweichungen hinzufügt, dann zeigt sich, wie brisant diese Themen bis heute geblieben sind, und wie viel wir in dem gegenwärtigen Klima unreflektierter Stabilität von dieser vergangenen Ära wiederfinden.“ FAR FROM HEAVEN ist eine filmische Elegie über Gefühle, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht ins Bild passen, über Begehren und Sehnsüchte, die im Keim erstickt werden, weil es für die, die sie empfinden, keinen gemeinsamen Ort gibt. „Es wird nichts mit ihnen, und doch waren sie füreinander bestimmt: Das ist die Essenz des Melodrams“, schreibt Andreas Kilb in der FAZ, und fügt hinzu:“ Wer nicht gerührt ist, hat nichts begriffen!“
Der Film lief zuletzt am 06.06.2003.
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