KRONENZEITUNG
Österreich/Belgien/Frankreich 2002; Regie: Nathalie Borgers; Drehbuch: Nathalie Borgers nach einer Idee von Lena Deinhardstein; Kamera: Jerzy Palacz; Schauspieler: Hans Dichand; Produzent: Navigator Film Schottenfeldgasse 14, 1070 Wien T 1 524 97 77, office@navigatorfilm.at; Musik: Edouard Papazian; 58 Min., Digital Beta; Farbe; 58 Min, OF Ohne Altersbeschränkung
KRONENZEITUNG - TAG FÜR TAG EIN BOULEVARDSTÜCK ist das knapp einstündige Porträt eines spezifisch österreichischen Phänomens: der Neuen Kronenzeitung, der mit knapp drei Millionen Lesern proportional größten Tageszeitung der Welt. Spannend wird Nathalie Borgers Film vor allem durch ihren Status als Außenstehende. Mit einem distanzierten, wenngleich präzisen Blick erforscht die belgische Regisseurin - frei von Polemik - das System “Krone“: eine Zeitung als Freund, Berater, Ombudsmann der kleinen Leute und nicht zuletzt als ein „Prisma, durch das sich der Erfolg des Populismus in diesem Land verstehen lässt.“ Zu Wort kommen unter anderen Landeshauptleute, ein Bischof, Herausgeber Hans Dichand selbst, seine Redakteure und Kommentatoren wie Andreas Mölzer und Wolf Martin, aber auch explizit kritische Geister wie Robert Menasse, Heide Schmidt und Erhard Busek. Der Film arbeitet sich in kurzen, pointierten Episoden vor: Kaffeehausgespräche mit Leserinnen und Lesern leiten über in die Chefetage des „Alten“, der die Blattlinie erörtert. Die Telefone in der Tierecke laufen heiß, Leserbriefe kommen sackweise, während Politikredakteure die wahren Ausmaße der afghanischen Flüchtlingswelle prognostizieren. Fakten und Meinungen, Christianus fromme Bibelauslegungen und die „Frau von nebenan“: KRONENZEITUNG - TAG FÜR TAG EIN BOULEVARDSTÜCK zeichnet die Topografie eines Landes, in dem Tragik und Realsatire eng beieinander liegen.
Der Film lief zuletzt am 09.05.2003.
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