RAVIOLI
Österreich 2002; Regie: Peter Payer; Drehbuch: Alfred Dorfer; Kamera: Thomas Prodinger; Schauspieler: Alfred Dorfer, Gertraud Jesserer, Günther Paal, Michou Friesz, Nicholas Ofczarek, Branko Samarovski; Musik: Lothar Scherpe, Peter Herrmann; 79 Min., 35mm; Farbe; 79 min, OF Ohne Altersbeschränkung
Heinz Hoschek (Alfred Dorfer) kehrt zurück in die leerstehende Wohnung seiner Eltern. Die Mutter ist gestorben, der Vater im Pflegeheim. Hoschek, ehemals Bankfilialleiterstellvertreter, hat seinen Job verloren, seine Ehe ist gescheitert. In seiner Einsamkeit läßt er sein Leben Revue passieren, erinnert sich an Ferien am Meer, Geburtstagsfeiern, Schul- und Studienzeit, an die Verlobung. Unter dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten verliert Hoschek immer mehr die Fähigkeit zwischen Wirklichkeit und Fantasie zu unterscheiden. Er erhält Besuch von allegorischen Figuren - vom Tod, von Gott, vom Teufel, vom Geist der 70er Jahre, aber auch von der höchst realen Nachbarin, die er in frühen Jugendtagen angehimmelt hat. Hoscheks Sehnsüchte gehören vor allem dem Wasser. Noch einmal rafft er sich auf und versucht sich als Bademeister... .
RAVIOLI basiert auf Elementen aus Alfred Dorfers jüngstem, mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2002 prämierten Bühnenstück "heim.at" - und ist dennoch nicht bloß die Filmversion eines Kabarett-Programms. Regisseur Peter Payer präsentiert vielmehr einen so eigenwilligen wie verspielten Film, der sich durch eine lakonische Erzählweise, eine ungewöhnliche Bildsprache und eine mutige Montagetechnik auszeichnet. Surreales mischt sich hier mit fast Dokumentarischem, trockener Witz mit genauer Milieuschilderung. Zwar mangelt es dem Film nicht an pointenreichen Sprüchen - "Wieso kann Descartes sagen: Ich denke, also bin ich - und mein Nachbar existiert dennoch?" - doch balanciert die Komik in RAVIOLI im Unterschied zum Kabarett-Programm immer auch am Rande der Tragik. Alfred Dorfer: "Je länger wir am Film arbeiteten, desto mehr hat er sich vom Bühnenstück entfernt und damit auch vom Kabarett im Film. Der Humor in RAVIOLI ist schwarz und bitter." Wie heißt es doch so treffend einmal im Film: Vielleicht ist Optimismus ja nur eine Form von Informationsmangel!
Der Film lief zuletzt am 27.02.2003.
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