DEUTSCHLAND IM HERBST

Deutschland 1978; Regie: Alf Brustellin, Hans Peter Cloos, Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Maximiliane Mainka, Beate Mainka-Jellinghaus, Edgar Reitz, Katja Rupé, Volker Schlöndorff, Peter Schubert, Bernhard Sinkel; Drehbuch: Alf Brustellin, Heinrich Böll, Hans Peter Cloos, Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Maximiliane Mainka, Beate Mainka-Jellinghaus, Edgar Reitz, Katja Rupé, Volker Schlöndorff, Peter Schubert, Bernhard Sinkel, Peter F. Steinbach; Kamera: Michael Ballhaus, Guenther Hoermann, Jürgen Jürges, bodo Kessler, Dietrich Lohmann, Werner Lüring, Colin Mounier, Jörg Schmidt-Reitwein; Schauspieler: Mario Adorf, Heinz Bennent, Wolf Biermann, Joachim Bissmeier, Joey Buschmann, Wolfgang Bächler, Hans Peter Cloos, Rainer Werner Fassbinder, Otto Friebel u.v.a.; 134 Min., 35mm; Farbe und s/w; 134 min, OF
FSK 12



Mit Deutschland im Herbst - dem vielleicht umstrittensten Film der deutschen Nachkriegszeit -stellen wir ein Werk vor, das in mehrerlei Hinsicht bedeutungsvoll ist:
Der Film spielgelt die Atmosphäre in Deutschland im Gefolge der 68er Bewegung. Die 68er Bewegung steht am Beginn eines weltweiten Umbruches. Es war u.a. eine Bewegung, die die bisherigen Werte in Frage stellte, aufbegehrte gegen alte (väterliche) Autoritäten, in Amerika gegen den Krieg in Vietnam auftrat und in Deutschland gegen die Selbstverständlichkeit des kurz nach dem zweiten Weltkriegs boomenden "Wirtschaftswunders". Neue demokratische Rechte wurden gefordert. In Deutschland entstand die APO (außerparlamentarische Opposition) und eine Bewegung, die auch auf Gewalt als politisches Mittel setzte. Die RAF (Rote Armee Fraktion) tötete in ihrem politischen Kampf gezielt Personen des öffentlichen Lebens. Diesem "Terrorismus" wurde von der Regierungsseite der "Krieg" erklärt.
Vor dem Hintergrund der Schleyer Entführung, der Entführung einer Lufthansamaschine nach Mogadischu und des Todes von führenden Mitgliedern der RAF im Stammheimer Hochsicherheitstrakt haben sich bedeutende deutsche Filmregisseure zusammengetan, um diese Situation "subjektiv", wie sie sagten, aufzuarbeiten. In dieser aufgeheizten Situation machten sie den Versuch einer Bestandsaufnahme. Sie bezogen eine Gegenposition zur allgemeinen Terrorismus-Hysterie, die die Gefahr in sich barg, demokratische Regeln außer Kraft zu setzen. Der Staat reagierte nicht auf Inhalte, sondern ging mit brachialen Mitteln gegen den "Staatsterror" vor.
Der Film, der vor 25 Jahren entstand, gibt ein atmosphärisches Bild der Situation Ende der 70er Jahre. Er scheint auch aktuell in anbetracht des medialen Umganges mit der Tragödie des 11. September 2001 in New York und dem israelisch-palästinensischen Konflikt, in dem die eine Seite der anderen Terrorismus vorwirft, zugleich aber über viel massivere (legale?) Machtmittel verfügt.
Rainer Werner Fassbinder war eine Ausnahmeerscheinung des deutschen Films der 60er und 70er Jahre. Sein Beitrag in diesem Film wurde von manchen Rezensenten als "gleich null" (Salzburger Nachrichten 1978) bewertet, von andern - insbesonders im Nachinein -wurde hervorgehoben, dass es genau Fassbinders Aussagen seien, die dem Film ihr Gewicht gäben es sei die "Brutaltiät und Ehrlichkeit", in der Fassbinder sich in den Film einbringe.
Zugleich spielgelt die Sequenz Fassbinders in diesem Film auch seinen Arbeitsstil wieder, seinen exzessiven und wohl auch destruktiven Lebensstil, der fünf Jahre später, erst 37-jährig, zu seinem frühen Tod führt.
Neben Fassbinder haben Volker Schlöndorff, Alexander Kluge, Bernhard Sinkel, Katja Rupe, Edgar Reitz, Alf Brustellin, Hans Peter Cloos, Maximiliane Mainka und Peter Schubert an dem Film mitgearbeitet.
Im Herbst (voraussichtlich Dezember) werden wir eine repräsentative Werkschau der Filme Fassbinders zeigen.

Der Film lief zuletzt am 28.07.2006.

Links

My Week with Marilyn BARBARA Herzensbrecher BEZAUBERNDE LÜGEN SPANIEN The Best Exotic Marigold Hotel Stoff der Heimat