GOSFORD PARK
Italien/Großbritannien/USA 2001; Regie: Robert Altman; Drehbuch: Julian Fellowes, Robert Altman, Bob Balaban; Kamera: Andrew Dunne; Schauspieler: Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Maggie Smith, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander; Produzent: Altman, Astrachan, Balaban u.a.; Musik: Patrick Doyle; 137 Min., engl. OmU FSK 6, FSK 14 empfohlen
"Tea at four. Dinner at eight. Murder at midnight" lautet der Werbeslogan für Robert Altmans neuesten Film und lässt hierbei ein wenig an Agatha Christie denken. Aber mehr noch als eine Hommage an die Murder Mystery Stories der britischen Krimischriftstellerin ist GOSFORD PARK, Altmans erster in England gedrehter Film, eine ironisch-scharfsinnige Analyse eines sozialen Mikrokosmos - der britischen Klassengesellschaft. In Gosford Park, einem hochherrschaftlichen Landhaus in Mittelengland, trifft sich im Jahr 1932 eine ganze Schar illustrer Adeliger zu einem Jagdwochenende. Man ergeht sich in konventioneller Plauderei, Bridgespiel und Teelöffelrühren, wacht mit perfider Lust darüber, dass jemand einen Fauxpas begeht, und schaut, dass vor allem eines gewahrt bleibt - die Hierachie. Während "upstairs" die Ladies, Lords und Countesses den kultivierten Müßiggang streng ritualisiert pflegen, geht es "downstairs", in den schlecht beleuchteten Wirtschaftsräumen bei den Butlern, Köchinnen und Hausdamen etwas ungenierter zu. Genüsslich breiten diese den jeweils neuesten Tratsch über das Treiben, das Leiden und die Intrigen der Herrschaften aus - und kopieren die Umgangsformen der Upper Class doch bis ins Detail. Als schließlich um Mitternacht ein Mord das Haus erschüttert, das Opfer zudem der ungeliebte Hausherr ist, ist klar, dass in diesem sonderbaren Kosmos nichts so ist, wie es scheint. Vornehm verleugnete Emotionen kommen hoch und plötzlich scheint jeder verdächtig. Am Ende sitzen alle in bester Agatha-Christie-Manier mit einem Tatmotiv um den Tisch. Nur der so respektvolle wie inkompetente Inspektor ist so gar nicht daran interessiert, den hohen Herrschaften niedere Beweggründe zu unterstellen. Robert Altmans GOSFORD PARK ist ein eleganter und scharfsinniger Abgesang auf den britischen Adel. Der Film konzentriert sich hierbei weniger auf die kriminalistische Handlung, sondern versucht die sozialen Dynamiken bloß zu legen, die sich hinter den Gängen, Gesten und Idiomen der Charaktere verbergen. Es ist höchste Kinokunst, wie hierbei Altmans charakteristisch fließende Kamera durchs Labyrinth des Landhauses gleitet und mit einer raffinierten Montage sowie pointenreichen und schnellen Dialogen ein geheimnisvolles Universum konstruiert, dessen Bedeutung sich dem Zuseher erst nach und nach erschließt.
Der Film lief zuletzt am 04.02.2007.
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