DER KREIS
DAYEREH
Italien/Iran 2000; Regie: Jafar Panahi; Drehbuch: Kambuzia Partovi; Kamera: Bahram Badakshani; Schauspieler: Maryam Parvin Almani, Nargess Mamizadeh, Fereshteh Sadr Orafai, Monire Arab, Elham Saboktakin; Produzent: Jafar Panahi; Musik: -; 90 Min., 35mm; Farbe; 90 min; Farsi OmU Ohne Altersbeschränkung
Der mit dem "Goldenen Löwen" in Venedig ausgezeichnete Film DER KREIS von Jafar Panahi stellt einen Wendepunkt im iranischen Kino dar. Trotz politischer Repression und Zensurgefahr thematisiert dieser Film seine Botschaft weder in Form kunstvoller Metaphern noch dadurch, dass er mit den Augen kindlicher Protagonisten die Welt der Erwachsenen deutet. Panahi stellt schnörkellos und radikal die brutale Realität in den Mittelpunkt, wie sie die Frauen im heutigen Iran (und nicht nur dort) Tag für Tag erleben müssen. DAYEREH erzählt in bewusst bruchstückhaft gehaltenen Episoden von acht Frauen in Teheran, deren Schicksale sie durch Zufall kurz zusammenführen. Sie alle versuchen allein, das heißt ohne Mann und Papiere, in der Hauptstadt zu überleben, ob nun unverheiratet, ungewollt schwanger oder von der Familie verstoßen. Fluchtversuche, Abtreibungen, der Kauf einer Buskarte oder Zigarette, das Mieten eines Hotelzimmers sind lebensgefährliche Handlungen. Eines ist offensichtlich: Diese Gesellschaft verweigert Frauen jegliches Recht auf Selbstbestimmung und zwingt sie, sich immer nur in einem Kreis zu bewegen, aus dem es kein Entkommen gibt.
Jafar Panahi findet in DAYEREH die perfekte Verbindung von Form und Inhalt. Er zeigt ein unbekanntes Teheran mit Menschen, die am Rande der Stadt leben. Denn offiziell gibt es in einem Gottesstaat keine Prostitution, Drogensucht oder Kriminalität. Die fast improvisierten Szenen zu Beginn münden in eine konsequente Dramaturgie von Licht und Schatten: Beeindruckende Großaufnahmen von angespannten Gesichtern, Körpern in ständigen Fluchtbewegungen, Gefängnissen, Frauen in gefährlicher Bedrängnis werden beklemmend und intensiv auf die Leinwand gezeichnet. Laien wie SchauspielerInnen verkörpern gleichermaßen intensiv und bemerkenswert offen ihre Rollen in diesem kühnen, unbeugsamen und sehr feinfühligen Film, der für Susan Sontag "einer der besten Filme des Jahres und ein weiteres Wunder aus dem Iran" ist. (Artforum)
"Jafar Panahi skizziert in souveräner Weise den Alltag in Teheran anhand einer Serie von Frauendramen, als Netz von Freiheitsberaubungen, Verboten und Demütigungen. Das iranische Kino hat ein politisch und künstlerisch bestechendes neues Exponat gefunden." (Stefan Grissemann, Die Presse)
Der Film lief zuletzt am 24.05.2002.
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