MONSOON WEDDING

Indien/Frankreich/Italien/USA 2001; Regie: Mira Nair; Drehbuch: Sabrina Dhawan; Kamera: Declan Quinn; Schauspieler: Naseeruddin Shah, Lillete Dubey, Shefali Shetty, Vijay Raaz, Tilotama Shome, Vasundhara Das, Parvin Dabas, Kulbhushan Kharbanda, Kamini Khanna; Produzent: Caroline Baron, Mira Nair; Musik: Mychael Danna; 119 Min., 35mm; Farbe, 119 min; OmU
Ohne Altersbeschränkung



Wenn es jemanden gibt, auf den der Begriff "Weltkino" zutrifft, dann auf die in Indien geborene Regisseurin Mira Nair. Die gelernte Soziologin, die in Delhi und Harvard studierte, ist eine cineastische Weltenbummlerin, die in New York ebenso zu Hause ist wie in Delhi. Seit ihrem Spielfilmdebut SALAAM BOMBAY! (1988), der ihr gleich eine Oscar-Nominierung eingebracht hat, gelingt es ihr, in ihren Filmen - von MISSISSIPPI MASALA bis KAMA SUTRA - eine Brücke zwischen östlicher und westlicher (Kino)Kultur zu schlagen. Mit MONSOON WEDDING, in Venedig 2001 mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet, präsentiert die Regisseurin nun eine Verbeugung vor der Lebenskunst und Lebenslust ihrer heimatlichen Punjabi-Kultur. Wie in zahlreichen anderen indischen Filmen steht hierbei der Konflikt zwischen Tradition und Moderne, Eltern und Jugend, Stadt und Land, Indien und die weite Welt im Zentrum. Die Vorbereitungen zu einer Hochzeit geben den erzählerischen Rahmen vor. Zu einem derartigen Fest strömen Verwandte aus ganz Indien und sogar Übersee herbei, und wie bei allen Familienfesten werden dabei alte Wunden aufgerissen sowie Zu- und Abneigungen wieder akut. So wie Robert Altman einst in EINE HOCHZEIT führt auch Mira Nair ein riesiges Ensemble vor die Kamera - und wie Altman schafft auch sie es dank eines ausgefeilten dramaturgischen Patchworks, dass jede einzelne Figur lebendig, jede kleine Episode spannend ist. Da ist etwa die Tochter des Hauses, die einen Fremden heiraten soll, den ihr die Eltern ausgesucht haben. Gleichzeitig hat die Braut jedoch ein Verhältnis mit einem verheiraten Mann. Ihr jüngerer Brüder möchte indessen lieber auf dem Fest tanzen statt "männlichen" Tätigkeiten nachzugehen. Und der reiche Onkel aus Übersee, der der anderen Tochter ein Studium finanzieren möchte, kümmert sich ein wenig zu sehr um seine junge Nichte. Mit langem Erzählatem umkreist die Regisseurin insgesamt fünf ineinander verwobene Geschichten, deren Mittelpunkt das Hochzeitspaar und ihre schwierige Annäherung bildet. Am Ende werden alle Erzählstränge im Monsoon-Regen schließlich miteinander vereint.
Mit MONSOON WEDDING schlägt die bisher als soziale Skeptikerin bekannte Mira Nair einen sehr versöhnlichen Ton an. Die viertägigen Hochzeitsfeiern geraten zu einer Hymne an die erneuernde Kraft der Familie, die sich auch im Zeitalter der Globalisierung bewährt. Die farbenprächtige, sehr unterhaltsame Komödie, die nicht nur von der Hochzeit eines jungen Paares, sondern wohl auch von jener zwischen Bollywood und Hollywood erzählt, ist allen voran jedoch eine große Feier des Lebens, welche von hinreißenden Gesangs- und Tanzeinlagen getragen wird .

Der Film lief zuletzt am 29.08.2003.

Links

My Week with Marilyn BARBARA Herzensbrecher BEZAUBERNDE LÜGEN SPANIEN The Best Exotic Marigold Hotel Stoff der Heimat