MEINE SCHWESTER MARIA
Deutschland/Österreich/Schweiz 2001; Regie: Maximilian Schell; Drehbuch: Maximilian Schell, Gero von Böhm; Kamera: Piotr Jaxa; Schauspieler: Maria Schell, Maximilian Schell, Falko Skrabal, Gerhard Hannak, Harry Stuhlhofer, Elke Münzer, Egon Münzer, Gusti Münzer, Nasti Schell, Natasha Schell, Dimitri Schell, Oliver Schell; Produzent: Maximilian Schell; Musik: Toni Stricker, Oliver Schell; 95 Min., 35mm; Farbe; 95 min, OF Ohne Altersbeschränkung
Maria Schell zählte einst zu den ganz Großen - nicht nur - des deutschsprachigen Kinos. Sie spielte u.a. an der Seite von Marcello Mastroianni, O.W.Fischer, Gary Cooper, Curd Jürgens, Laurence Olivier und Glenn Ford. In Cannes wurde sie 1954 für ihre Rolle in Die letzte Brücke als beste Darstellerin des Jahres ausgezeichnet, Hollywood feierte sie mit den Brüder Karamasow, Ernest Hemingway beglückwünschte sie zu der gelungenen Interpretation seiner Maria in Wem die Stunde schlägt und der Broadway betete sie in Pavel Kohouts Armer Mörder an. Als bisher einzige Schauspielerin wurde sie in einem Jahr sowohl in Cannes als auch in Venedig für zwei unterschiedliche Rollen zur besten Darstellerin gekürt. Ihr unverwechselbarer Gesichtsausdruck, das Lächeln unter Tränen, prägte ihr Image und trug ihr den Namen "Seelchen" ein. "Bei jedem Star ist eine Tragödie vorprogrammiert", sagt Maximilian Schell, Oscar-gekrönter Bruder von Maria: "Man selbst ist ja nur ein einfacher Mensch, aber die Welt macht einem zum Idol. Diese Diskrepanz zu überwinden, schafft kein Mensch!" Auch die - späte -Biografie von Maria Schell ist demgemäß immer wieder durchzogen von diversen Schicksalsschlägen: Depressionen, Schulden, ein Selbstmordversuch und Opfer ausbeuterischer Boulevardmedien. Heute lebt die 76-jährige einsam und zurückgezogen auf dem Familienhof auf einer Kärntner Alm. Den überwiegenden Teil des Tages verbringt der gealterte Star im Bett, wo sie sich - umgeben von mehreren Fernsehgeräten - immer wieder ihre Filmerfolge von einst anschaut.
MEINE SCHWESTER MARIA ist Maximilian Schells berührendes Filmporträt seiner Schwester Maria. Der Film, der auf dem Kärntner Almhof der Schells gedreht wurde, zeigt ihre Welt ohne Scheu. Er konterkariert lange, intensive Interviewpassagen, wo sehr offen über Amouren, Einsamkeit und Depressionen gesprochen wird, mit den schönsten Filmerfolgen. Ähnlich wie bei seinem großartigen Filmportrait über Marlene Dietrich ist auch Maximilian Schells Porträt seiner Schwester zum einen von hohem Respekt vor einer Lebensleistung und zum andern von einem Bedauern über das Scheitern im Alter geprägt. Im Unterschied zu Marlene Dietrich, die außer Toninterviews und Aufnahmen in ihrer unmittelbaren Umgebung keine Bilder zuließ, die den gealterten Weltstar selbst zeigen, wagt Maria Schell jedoch den Schritt vor die Kamera. Und zeigt sich, wie sie ist. Zeigt ihr Gesicht, das gezeichnet von Alter und Krankheit ist. Der Tragik des Alterns, vor allem davon erzählt der Film, kann sich keiner entziehen, auch nicht ein Star. MEINE SCHWESTER MARIA ist ein liebevoll-behutsames Porträt eines außergewöhnlichen Lebens, welches auf solch emotional berührende Weise wohl nur ein enger Vertrauter wie der eigene Bruder inszenieren konnte.
Der Film lief zuletzt am 07.06.2002.
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