NIRGENDWO IN AFRIKA
Deutschland 2002; Regie: Caroline Link; Drehbuch: Caroline Link nach Stefanie Zweig; Kamera: Gernot Roll; Schauspieler: Juliane Köhler, Marab Ninidze, Matthias Habich, Sidede Onyulo, Karoline Eckertz, Lea Kurka, Gerd Heinz, Hildegard Schmahl, Maritta Horwarth, Regine Zimmerman; Produzent: Peter Herrmann; 141 Min., 35mm; Farbe; 140 min, OF Ohne Altersbeschränkung
Nach JENSEITS DER STILLE und PÜNKTCHEN UND ANTON beschäftigt sich die deutsche Regisseurin Caroline Link in ihrem dritten Film mit dem Aufeinandertreffen von europäischer und afrikanischer Kultur. NIRGENDWO IN AFRIKA erzählt - nach dem gleichnamigen, autobiografischen Roman von Stefanie Zweig - von der jüdischen Familie Redlich, die im Jahr 1938 nach Kenia emigrieren muß. Am Beginn des Films lässt der jüdische Anwalt Walter Redlich seine Frau Jettel und die fünfjährige Tochter Regina auf die Farm in Kenia nachkommen, auf der er als Verwalter eine Anstellung gefunden hat. Während die Ehefrau, Tochter aus gutbürgerlichem Hause, sich nur schwer an das neue Leben gewöhnt, blüht ihre einst schüchterne Tochter förmlich auf. Für sie wird das Leben in Afrika zu einem großen Abenteuer, bei dem ihr der einheimische Koch Owuor stets zur Seite steht. Der Verlust von Heimat und Verwandten und die Sprachlosigkeit darüber bedroht hingegen die Ehe von Jettel und Walter. Jettel ist enttäuscht von ihrem Mann, der einmal eine viel versprechende Karriere als Anwalt vor sich hatte und sich nun klaglos in sein Schicksal fügt. Walter hingegen ist von der Arroganz seiner Frau abgestoßen, mit der sie sich gegen Kenia wehrt. Am Ende der fast zehn Jahre dauernden Emigration wird aber auch Jettel mit dem Land, das ihr letztlich das Leben gerettet hat, versöhnt sein.
Im Gegensatz zu anderen westlichen Filmemachern, die in ihren Afrika-Filmen zumeist der Versuchung erliegen, ihre Mythen von diesem Kontinent in schöne, lichtdurchflutete Hochglanzbilder zu kleiden, vermeidet Caroline Link in ihrer Inszenierung die bekannten Afrika-Klischees. In NIRGENDWO IN AFRIKA ist die Landschaft zwar auch schön, aber nie nur schicke Kulisse. "Ich wollte Kenia nicht als Paradies schildern", sagt Caroline Link. Demgemäß zeigt der Film auch das Rauhe dieser Landschaft - Schmutz, Armut, Tod, Naturkatastrophen. Entsprechend abenteuerlich waren auch die Drehbedingungen: So musste etwa eigens eine 40 Kilometer lange Straße gebaut werden, um die Lastwagen mit Licht, Generatoren, Wasser und Treibstoff zum Drehort transportieren zu können. Ganz zu schweigen von einer Dürrekatastrophe, die überstanden werden musste. Aber die mitunter mühselige Arbeit hat sich gelohnt: NIRGENDWO IN AFRIKA ist ein einfühlsam inszenierter, ausgesprochen unterhaltsamer Film, der mit wohl temperierten Landschaftsaufnahmen und hervorragenden Schauspielern die Jahre der Emigration ohne sentimentale Anklänge beschreibt.
Der Film lief zuletzt am 25.04.2004.
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