THE MAN WHO WASN´T THERE
USA 2001; Regie: Joel Coen; Drehbuch: Ethan & Joel Coen; Kamera: Doger Deakins; Schauspieler: Billy Bob Thornton, Frances McDormand, Michael Badalucco, James Gandolfini; Produzent: Ethan Coen; Musik: Carter Burwell; 116 Min., S/W; 116 min; engl.OF & dt. Fassung Ohne Altersbeschränkung
Mehrmals bereits haben die Coen-Brüder in ihrem Werk auf das Genre des Film Noir Bezug genommen. Ihr neuester Film ist jedoch der erste, den sie tatsächlich in Schwarz/Weiß drehten. Er führt in eine kalifornische Kleinstadt Ende der 40er Jahre - in eine Epoche, als Helden Kettenraucher und schweigsam und der Glaube an Ufos noch allgegenwärtig waren. Der wortkarge Friseur Ed Cane hadert mit der Monotonie seines Lebens. Unglücklich mit Job und Ehe scheint sich ihm plötzlich eine neue Chance zu bieten, als ihm ein Kunde das "Zukunftsgeschäft Trockenwäsche" schmackhaft macht. Weil ihm hierfür aber das nötige Kapital fehlt, erpresst er den Kaufhausbesitzer Big Dave, von dem Ed weiß, dass er eine Affäre mit seiner Ehefrau Doris hat. Aus dem Erpresser wird in der Folge unfreiwillig ein Mörder, angeklagt wird jedoch Eds Ehefrau. Ein Star-Anwalt übernimmt die Verteidigung im Mordprozess, zu dem es jedoch nicht kommen wird. Ebenso im Sand verläuft Eds heimliches Hobby. Am Ende dieses narrativen Labyrinths der Täuschungen und Irrungen werden schließlich alle Schuldigen bestraft - jedoch keiner für das Verbrechen, das er begangen hat!
THE MAN WHO WASN'T THERE ist eine großartige Hommage an die Zeit der "Schwarzen Serie" Hollywoods. Die literarische Krimi-Welt von James M. Cain, dessen Romane u.a. Vorlage für Film Noir-Klassiker wie Billy Wilders DOUBLE INDEMNITY oder Tay Garnetts THE POSTMAN ALWAYS RINGS TWICE bildeten, sei, so die Coen-Brüder, Pate gestanden für ihren Film. Von diesem Einfluß künden etwa die lakonischen Kommentare aus dem Off sowie ein Held, der in seiner stoischen Gelassenheit, seiner Ausweglosigkeit und nicht zuletzt aufgrund seines Zigarettenkonsums und seiner eleganten Anzüge an Humphrey Bogart erinnert. In dieses klassische Film Noir-Universum brechen schließlich immer wieder Elemente aus dem verschrobenen Kino-Universum der Coens ein. THE MAN WHO WASN'T THERE, in Cannes im vergangenen Jahr mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet, ist ein so verspielt-versponnener wie melancholischer Film, ein Film, der in Sachen Humor und Stil all jene Coen-typischen Ticks und Tricks bietet, auf denen ihr Kultstatus fußt.
www.the-man-who-wasnt-there.de
Der Film lief zuletzt am 22.03.2002.
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